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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 4 (1867) · p. Seite 262

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
4 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 262 (sequence 22)
Language
German
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262 II. Die neuesten Forschungen aneinanderreiht, muß er freilich bei dem fragmentarischen Charakter der thalmudischen Quellen, welche historische Notizen blos gelegentlich an gesetzliche Discussionen, an Besprechung von Festzeiten und den für sie geltenden Vorschriften anknüpfen, die Lücken aus andern Quellen ergänzen: es geschieht Dies geschickt in Übersichtlicher Kürze, ohne die eigentliche Aufgabe des Buches in den Hintergrund zu drängen. Vielleicht hätte es jedoch der Aufgabe und dem Zwecke mehr entsprochen, wenn statt der äußerlichen geschichtlichen Continuität die innere Entwickelung, die Ausbildung des Sadducäismus und des Pharisäismus mehr in den Mittel- Punkt der Untersuchung getreten wäre. Daß dies unterlassen worden, mag freilich von einem andern Umstande herrühren, der der ganzen Behandlungsweise die Energie, die Schärfe der Consequenz entzogen hat. Hr. D., in seiner liebevollen Anerkennung einer jeden vorangegangenen Leistung, strebt, bei aller Aufnahme der neueren Resultate, doch eine gewisse Vermittelung an, schwächt dadurch manchen Punkt ab, legt die bewegenden Kräfte nicht nach ihrem ganzen Einflüsse dar, ja ist bei bedeutsamen Momenten bedenklich. Die Untersuchung über die beiden, die ganze innere Bewegung des,religiösen und bürgerlichen Lebens bestimmenden Parteien muß, wenn sie wahrhaft fruchtbar sein will, an ihrem Quellpunkte ausgenommen, die Entstehung der Saddueäer und der Pharisäer in den Zadokiten und den Nibdalim erkannt werden. Wenn einmal die Saddueäer, wie auch Hr. D. thut, als die Aristokraten, als die Glieder der vornehmen Priestergeschlechter und der, wenn wir so sagen dürfen, sonstigen adeligen Familien, die in ihren Stammbäumen die Bürgschaft des reinen Blutes stolz nachwiesen und mit denen sich daher die Priester auch ehelich verbanden *), erfaßt werden: so muß auch Ursprung und Name zunächst im Priesterthume und in seiner bevorzugten Stellung erkannt werden. Eine Ableitung des Namens von einem Abstractum ״Zedakah", Gerechtigkeit, mit Hrn. D. zu versuchen, ist ein verzweifeltes Beginnen. Dieses Wort kommt nirgends als Bezeichnung einer religiösen Parteirichtung vor, es nimmt vielmehr bald in jenen Zeiten die Bedeutung: Wohlthätigkeit, Geben von Almosen an, die für unfern Zweck nicht allein Nichts erklärt, sondern in ihrer Milde mit der sadducäischen Strenge 1) Meine Worte in Urschrift S. 114 f. haben natürlich gar keinen andern Sinn; Hrn. D.'s Bedenken S. 453 ist ohne Grund.

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