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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 2 (1868) · p. Seite 100

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
2 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 100 (sequence 20)
Language
German
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100 II; Maleachi und der jüngere Iesaias. jeden Neumond und jeden Sabbath alles Fleisch kommt vor Gott zu huldigen (66, 23). Ja wir stehn mit ihm auf der Bergeshöhe der Idee, athmen im reinen Aether Himmelslust, saugen mit universellem Blicke das Bild der ganzen Welt in uns ein und legen die in Gott und reiner Sitte verklärte Menschheit an das für Alle warmschlagende Herz. Er kennt kein engherziges Markten mit den Priestern über die Tauglichkeit ihrer Opferthiere, er erzürnt sich nicht über das Kargen mit den Zehnten, er weiß von keiner Entrüstung über Mischehen. ״Ein Haus des Gebetes für alle Völker," ein großes Weltheiligthum, daselbst alle Menschen Priester mit den reinen Opfergaben der Lippe und des frommen Wandels, dieses Haus Alle umfassend, Keinen und Keine ausstoßend. Es ist eine mächtige Kluft zwischen diesem jüngern Iesaias und Maleachi. Sie sind beide, ״aus den Wassern Juda's hervorgegangen", wollen die Saat der reinen GoLteserkenntniß für die ganze Welt ausstreuen. Aber der Eine klammert sich ängstlich an den nationalen Träger, engt sich ein in Jerusalem, wagt nicht die Mauern des Tempels zu verlassen, braucht dessen Opferweihe und die heiligenden Priester, sie müssen im absondernden Schmucke äußerlich abgeprägter Heiligkeit erscheinen. Der Andere will die Nation zum Völkerbunde, Jerusalem zur Welt, den Tempel zum heiligen Universum, das Priesterthum zur heiligen Menschheit erweitern. Das ist die Consequenz der judäischen Reform, aber sie kann sich in der ärmlichen Gegenwart, der sie gepredigt wird, nicht verwirklichen. Der Gedanke ist unverloren, er bleibt eine treibende Macht, aber er kann doch nicht volle Gestalt gewinnen. Die Priester, wie sie sind, von beiden hart getadelt, wem werden sie sich zuwenden, dem jüngeren Jesaia oder Maleachi- Sie haben vornehme Gelüste, verbinden sich gerne staatlich und ehelich mit dem Auslande und müssen dennoch ihrer ganzen Stellung nach ihre priesterlich heiligende Absonderung, ihre vorgeblichen Vorzüge und überragenden Rechte wahren, sie müssen auf die Erhaltung des reinen aristokratischen Blutes bedacht sein, sie sind noch mehr priesterlich als national, noch mehr israelitisch als judäisch, obgleich die Nachkommen Zadok's ihre Höherstellung gerade Juda, verdanken. Ihnen ist sicher die Aufnahme, wenn auch unter mancherlei Umgestaltung, der früheren israelitischen Bücher und deren Verbindung mit dem judäischen Deuteronomium zu einem Ganzen zuzuschreiben. Es erwachsen aus

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