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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 1 (1868) · p. Seite 56

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
1 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 56 (sequence 57)
Language
German
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56 Umschau. lich aus Rücksichten anzuerkennender weitherziger Parität —, gehalten, und so sehe ich von Zeit zu Zeit hinein. Das Blatt macht mich zuweilen wahrhaft stutzig; denn eine solche extreme Stupidität, solche Platte Gemeinheit in Gesinnung und Ausdruck habe ich doch in einer ״allgemeinen Literatur-Zeitung", und gehe sie selbst von der fanatischsten engherzigsten religiösen Richtung aus, nicht erwartet. Man schämt sich ordentlich, daß man von solchen Lippen seine eigne Muttersprache hört; wenn sie noch rumänisch oder mindestens czechisch sprächen, aber deutsch, die Sprache Lessing's! Sehe ich im Inhalte, daß ein das Iudenthum berührender Gegenstand oder das Buch eines Juden besprochen wird, dann kann ich mir es doch nicht versagen danach zu greifen; es liegt einmal ein Kitzel darin, diese ohnmächtige Wulh poltern zu hören, man freut sich doch, daß die Hände, welche so gerne den Scheiterhaufen anzündeten, nun Nichts weiter vermögen als Schimpfworte, wie sie nur etwa in der niedrigsten Kneipe geduldet werden, durch die Druckerschwärze festzubannen. Es dürste vielleicht sehr Wenigen meiner Leser, zumal außerhalb Oesterreich's, das Glück zu Theil werden, sich an dieser literarischen Nahrung zu erquicken, und so möchte ich ihnen doch ein für alle Mal ein neustes Pröbchen vorführen. Ein katholischee Pfarrer, Joseph Reißleithner, hat in einer Katholiken-Versammlung am 4. November 1867 einen Vortrag gehalten ״über die Stellung des Weibes im Judenthum, Heidenthum, Christenthum", und es ist ganz natürlich, daß der Mann da von der grauenhaften Mißhandlung, welche das Weib in den beiden ersten Religionen zu erdulden hat, von der liebevollen Anerkennung, welche es in der letzten erfährt, recht viel gesprochen hat; der Mann thut, was seines Amtes. Seine Zuhörerinnen, die katholischen Frauen, waren gewiß von dem Vortrage recht erbaut und sie haben, wenn auch einige von ihnen von Seiten ihrer Männer zuweilen einige recht stark fühlbare Beweise der Zärtlichkeit empfangen, doch die Beruhigung, daß sie durch das Christenthum eine weit größere Anerkennung gewonnen haben als ihre jüdischen Genossinnen, die zwar solcher etwas verdächtigen Zärtlichkeitsbeweise entbehren, aber nun doch einmal Jüdinnen sind. Herr Reißleithner hat seinen Vortrag drucken lassen, dagegen ist gewiß Nichts einzuwenden. Der Referent in der A. L. Z., ein Stern (Nr. 5 S. 36), findet, daß in demselben ״mit großer Sachkenntniß und in warmen Worten der Einfluß des Christenthums auf das Schicksal der Frauen,

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