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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1867-01-01 · 1 (1867) · p. Seite 80

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
5 (1867)
Issue
1 (1867)
Date
1867-01-01
Page
Seite 80 (sequence 81)
Language
German
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80 Umschau. in solchen Fällen vorschreibt, man solle die Verunreinigung meiden und zwar nicht bloß der Priester, sondern ein jeder Jsraelite, um die rechtzeitige Peßachfeier mitbegehn zu können (vgl. — nach Sifre zu 4 Mos. 6, 7 — Sebachim 100 a u. Parall., besonders Thoßafoth zu Berachoth 19 d f., zu Nasir 48 a u. zu Sanhedrin 35 a). Die Pharisäer hingegen, die ihn zur Verunreinigung drängten, handelten eigentlich Wider die Vorschrift und sie thaten es eben nur, weil hier ein Priester im Spiele war und man hätte glauben können, es stehe auch sonst in seinem Belieben, sich bei nahen Verwandten der Verunreinigung zu entziehen; also hier war ihre Besorgniß, eine solche ihnen mißliebige Entscheidung möchte sich feststellen (שלא יקבע דדבר חובד). Joseph wollte nun seinen Protest gegen die ihm Wider seinen Willen verursachte Verunreinigung, die ihn an der rechtzeitigen Feier des Peßach verhinderte, offenkundig an den Tag legen und zog deßhalb mit seiner ganzen Hausgenossenschaft nach Jerusalem, um im zweiten Monate die Peßachfeier zu begehen. Gerade dieses Gepränge der streng gewahrten Priesterreinheit war den Pharisäern zuwider, und sie störten deßhalb die Feier, obgleich Joseph vollkommen in seinem Rechte war. — Sind ja auch die andern in derselben Mischnah aufgeführten Fälle von demselben Bestreben geleitet, die priesterlichen Vorrechte weniger entschieden in den Vordergrund treten zu lassen. Derselbe Joseph hatte nämlich ein anderes Mal Erstlinge von Wein und Oel gebracht; das ist gesetzlich durchaus eorrect, und dennoch wies man ihn zurück, um die Ansprüche der Priester nicht zu steigern. Ein Anderer, ben Antinous, brachte Erstgeborene aus Babylonien, und wiederum ist dies gesetzlich vollkommen zulässig, und wenn man seine Gabe dennoch abwies, so geschah es gleichfalls, um den Priestern die Geltendmachung eines Anrechts zu erschweren. Der Kampf zwischen dem Priesterthume, das mehr oder weniger mit dem sadducäischen Patriciate identisch ist, und dem eifrigen Pharisäerthume tritt uns eben in allen, auch den kleinsten, scheinbar rein halachischeu Ereignissen der alten Zeit entgegen. Die Berichte des Thalmud machen uns mit ihnen in abgeblaßter Gestalt bekannt, weil man sich später aus dem alten Kampfe der Parteien herausgelebt hatte; um sie recht zu verstehen, müssen wir jedoch die Farben wieder auffrischen und sie im Zusammenhänge der ganzen Zeit begreifen. 24. Dec.

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