Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 4 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Recensionen. Verhalten während des Schwures. Durch die abenteuerlichen Formen wollte man den Juden, von dem man fälschlich annahm, daß er nach seinem Gesetz vor der christlichen Obrigkeit einen Meineid schwören dürfe, von dem falschen Schwur zurückschrecken, aber ebenso sehr ging man auch darauf aus, ihn zu demüthigen". — Bei Gelegenheit der Beschuldigung, die Juden bedürften des Christenblutes, namentlich zur Osternzeit, gedenkt der Vrf. der von Päpsten und Kaisern dagegen erlassenen Bullen und Gesetze und fährt dann S. 185 fort: ״Aber mit Bullen und Gesetzen schafft man nichts gegen einen tief eingewurzelten Aberglauben. Ist doch auch jetzt noch nicht vollständig der Wahn beseitigt und ist doch noch in unferm Jahrhundert in weniger civilisirten Gegenden unter diesem Vorwände das Volk gegen die Juden aufgehetzt worden." Und nachdem er solcher unser Jahrhundert schändenden Thatsachen aus Rußland, aus Deutschland am Rhein im I. 1834, der Damascusgeschichte, berüchtigten Andenkens, aus dem I. 1842 erwähnt — leider könnten diese Anführungen noch vermehrt und bis auf die allerneuste Zeit herab fortgeführt werden —, fügt er hinzu: ״Auch haben neuere Schriftsteller nicht gewagt, jene Anklagen für völlig grundlos zu erklären; der von tendenziöser Geschichtsschreibung sich fern haltende Gemeiner meint, daß, wenngleich derartige Beschuldigungen in vielen Fällen Wohl des Grundes entbehrten, die Juden sich doch nicht im Allgemeinen von dem Verdachte reinigen könnten, ״da in jeder alten Registratur so viele Uutersuchungsacten vorhanden sind, die gegen sie zeugen". 86mx6r aliquid liaeretUnd so schließt denn der Vrf. seine Darstellung, nachdem er nachgewiesen, wie sie im Laufe des Mittelalters immer tiefer gesunken und an dessen Schluffe ״die ewigen Juden geworden, welche ׳ruhelos von Ort zu Ort ziehen und fast nirgends eine bleibende Stätte finden," mit den Worten (S. 193): ״Und so sind sie es noch lange geblieben! Erst seit der Mitte des vorigen Jahr- Hunderts, seitdem sich Moses Mendelssohn in der gesammten literarischen Welt hohe Achtung erwarb, seitdem Lesfing und Herder für die Emancipation des Judenthums den Kampf unternahmenseitdem die von Frankreich herüberdringende Aufklärung die Gleichheit der Menschen und die Unveräußerlichkeit der Menschenrechte lehrte und die französische Revolution diese Ideen zu Rechtssätzen erhob, erst seit dieser Zeit ist die sociale Stellung der Juden in Deutschland verbessert worden. Unserm Jahrhundert ist es Vorbehalten