Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 4 (1866)
- Issue
- 1 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2420983-2420984--1041-2422063- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
80 Recensionen. fährt mit der Erklärung der Wunder in einer Weise, die hart an das Verfahren der Vetreter der ״natürlichen Religion" im vorigen Jahrhunderte anftreift. Nifsim begnügt sich nicht damit, die Wunder bald als bloße Traumerscheinungen zu betrachten, bald als natürliche Vorgänge zu erklären, die nur mißverständlich, gar nicht nach der Absicht der Erzähler als Wunder aufgefaßt würden: er bezeichnet auch geradezu eine große Zahl solcher Vorgänge als kunstvoll vorbereitet, um sie dem Volke als Wunder auszugeben, die ihm zur Bestätigung von Lehren und Wahrheiten dienen sollten. Nifsim findet darin ein erlaubtes, den Zwecken eines weisen Volkserziehers recht angemessenes Mittel. Man sieht, Mangel an Kritik einerseits und die Nothwendigkeit dennoch glauben zu müssen, wogegen die Vernunft sich sträubt, führt immer zu jenem Verfahren, das weil es gläubig und vernünftig sein will, gerade Unvernünftiges und Ungläubiges, ja Unsittliches billigt. Unser Nissim ist nicht schlechter als etwa — in neuerer Zeit Schleiermacher und seine ganze Schule, aber er ist besser, weil er es unter der Knechtschaft des Mittelalters Lhat. Ich wollte hier blos das Wichtigere, Geist und Tendenz der periodischen Schrift Bezeichnende hervorheben und unterlasse es deßhalb aus noch Anderes, das wenn auch werthvoll, doch in loserem Zusammenhänge mit dem leitenden Gedanken steht, die Aufmerksamkeit zu lenken. Nur sei schließlich noch der Kritiken gedacht, die hier spärlich vertreten sind, aber vollkommen mit den darin Herrschenden Bestrebungen in Harmonie stehen. So findet in Heft II Rapoport's Erech Millin eine eingehende und scharfe Besprechung, in Heft III wird mein ״Leon de Modena" freundlich begrüßt, in Heft IV die Grundgedanken meiner ״Urschrift" dargelegt und einzelne Bemerkungen angeknüpft. Mit tiefer Einsicht, die Forschung erweiternd und berichtigend wird in Heft VI Pinsker's Lickute Kadmonioth geprüft; mit leisem Anfluge heiteren Spottes, aber zugleich mit wissenschaftlichem Ernste wird endlich in dem neuesten Hefte Pinneles' ״Darkah schel Thorah" einer Beleuchtung unterworfen, die des Vers, zweideutige Stellung enthüllt und ihm in seine Winkelzüge folgt. Schorr's Arbeiten behalten, ungleich andern neuhebräischen Eintagsfliegen, einen dauernden Werth, und wünschen wir ihnen eine recht weite Verbreitung und einen Leserkreis von vollem Verständnisse! 5. März. ^-