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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
4 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 2 (sequence 3)
Language
German
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2 I. Samuel David Luzzatto. sich bewegt, in zierlichen italienischen Sonetten gespielt und geklagt hatte, seitdem sein Freund Juda Romano die lateinischen Scholastiker studirt und übersetzt, war die Bildung von den Juden Italiens nie ganz gewichen. Als der Humanismus neue Blüthen dort erweckte, betheiligten sich auch die Juden Italiens daran und versuchten das neue Culturleben auch auf das Gebiet des Judenthums zu übertragen. Leon Abrabanel, der flüchtige Spanier, dichtete seine philosophischen Gespräche über die Liebe, die platonische Harmonie des Weltalls, Asaria de' Nossi stellte mit umfassender Belesenheit in den gelehrten Schriften aller Sprachen und mit feinem kritischem Tacte seine jüdischen Forschungen an, Messer Leon sammelte aus den Classikern Regeln für die Beredtsamkeit, der Arzt Abram de Balmes machte originelle Sprachforschungen, der deutsche Einwanderer Elias Levita ward Ueberlieferer alten bewährten hebräischen Sprachgutes an die christliche Welt, belehrte Cardinäle und zahlreiche christliche Gelehrte und machte mit glücklichem Tacte und in bescheidener Naivetät weitreichende Entdeckungen, Salomo Rosst pflegte die Kunst der Töne und gab Anleitung zu regelrechtem Gesänge in den Gotteshäusern, und so wirkten Viele noch in gebildetem Sinne. Die vielverheißenden Blüthen wurden mit dem Ablaufe des 16. Jahrhunderts, zumal in Italien, geknickt, und dennoch ward dort eine, wenn auch zahme, allgemeine Bildung gepflegt. Die stürmenden Geister eines Leon da Modena, eines Joseph Delmedigo mußten die wilde Gährung in sich verschließen; aber ihre vielseitige Bildung gereichte ihnen unter ihren Genossen zum Schmucke und erweckte keinen Verdacht gegen sie. Wenn ersterer über die jüdischen Gebräuche in italienischer Sprache schrieb, so konnte ihn die katholische Censur wegen mancher sreimüthigen Aeußerung beängstigen, doch gab er durch Veröffentlichung eines solchen Werkes in ״profaner" Sprache den Glaubensgenossen keinen Anstoß. Die geistvolle Sara Copia Sullam dichtete und philosophirte italienisch, stand mit christlichen Dichtern und Denkern in lebhaftem innigem Verkehre; eine Abwehr hatte sie gegen die Zudringlichkeit christlicher Freunde und gegen den blinden Eifer christlicher Hüter der Orthodoxie, nicht gegen ihren jüdischen Kreis nöthig. So war die Bildung unangefochten, aber auch als ein todtes Residuum ohne Kamps in die spätere Zeit eingezogen. Hebräische Sonette und Terzinen, freilich in geschraubter, mit Künstlichkeiten überladener Manier, gingen neben barokken homiletischen Bibel-

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