Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 3 · p. Seite 217

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
3
Date
1864-01-01
Page
Seite 217 (sequence 55)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2420973-2420988-2420990--0868-2421947
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ritter: Holdheim. 217 nicht bei seinen Uriheilen, die sich doch immer auf Gegenstände einer historischen Religion bezogen, in diese flüssige Gedankenbewegung einzugehen; er bedurfte immer geschlossener Annahmen, und diese suchte er dialektisch zu verarbeiten. Im Fortschritte der Zeit, dem er nach seiner Geistesklarheit bereitwilligst sich öffnete, mußte er daher seinen Standpunkt vielfach ändern, und seine logische Consequenz stellte dann zuweilen Anforderungen, die ihre historische Berechtigung noch nicht erlangt haben, wenn sie überhaupt Anerkennung verdienen. Er fühlte Dies in späterer Zeit selbst und rang in der Unermüdlichkeit seines inneren Lebens nach einem neuen, in die Gesammtbestrebungen mehr eingehenden Standpunkte. Wenn Holdheim so in Mitten einer regen Zeit aufgefaßt und besprochen wird, so kann sein geisteskrä'ftigcr Antheil und seine mannhafte Gesinnung nur Hu seiner wahren Ehre hervortreten, und ich hätte ihm eine solche Behandlung gewünscht. Hr. Ritter, der mit diesem Buche zugleich den zwanzigjährigen Bestand der Reformgemeinde feiern wollte, hat sich jedoch von dem sektenartigen Streben, in das diese Gemeinde von ihrem ersten Auftreten an sich verhärtete, nicht losmachen können, er glaubte diese als verwirklichtes Ideal und Ziel aller neueren Bestrebungen und H. als deren Träger darstellen zu müssen. Natürlich mußten da alle Andern, die auch ihren Beitrag leisteten, in den Schatten treten; manche Zurechtweisung ergeht über sie von dem hohen Standpunkte aus, den Hr. Immanuel Ritter einnimmt. Auch mir, der ich das ernste Streben der Reformgemeinde stets anerkannte, mußte diese Ehre und zwar umsomehr zu Theil werden, als ich trotz mannigfacher Anerbietungen dennoch nicht denselben Weg mit ihr zu gehen mich entschließen mochte. Mir war zuerst die dortige Stelle übertragen worden, ich lehnte sie ab; ich predigte daselbst im I. 1847*) am Wochenfestc, nachdem Holdheim bereits angestellt war, aber sein Amt noch nicht angetreten hatte, als ich im Aufträge der Breslauer Gemeinde bei Gelegenheit des vereinigten Landtages dort weilte, und vcrleugnete in der Predigt selbst meinen abweichenden Standpunkt nicht. Bei dem unerwarteten Hinscheiden H.'s im I. 1860 bedachte ich mich keinen Augenblick, der Aufforderung zur Abhaltung der Standrede und der folgenden religiösen Feier im Tempel Folge zu leisten. Trotzdem daß ich auch in diesen Reden meiner Ueberzeugung, daß die Ncformgemeinde nur eine Bedeutung *) Nicht 1846, wie Ritter S. 243 Anm. schreibt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.