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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 161

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 161 (sequence 164)
Language
German
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Zomber: Gajat, Hilchoth Peßachim. 161 man diese und andere Vorschriften Ln Betreff dieser Zählung bedenkt, so erkennt man bald, daß dieselbe aufNichts als einem Pressen des biblischen Buchstabens beruht, während an anderen Stellen, welche auch das Zählen eines Zeitabschnittes vorschreiben, der Rabbinismus sich mit dem allgemeinen Sinne begnügt, einen bestimmten Zeitabschnitt vorübergehn zu lassen — 49 Jahre für Jobel, sieben Tage für die Menstruirende und die Blutflüssige u. dergl. —, ohne daß das wirkliche Abzählen verlangt, in ihm ein verdienstliches Werk gefunden würde und peinliche Vorschriften darüber aufgestellt würden. Worin liegt die Veranlassung, der Zählung zwischen Peßach und Schabuoth eine besondere Bedeutung beizulegen? Schon spätere Rabbinen suchen nach einer Begründung für die Auszeichnung des ״Omerzählens". In Wahrheit beruht sie auf dem Gegensätze des Pharisäismus gegen Boöthusen (Saddncäer) und Samaritaner, des Rabbinismus gegen die Karäer. Diese nämlich wollen, daß das 'Omer am Tage nach dem in das Peßach fallenden Sabbathe dargebracht und das Schabuothfest sieben Wochen nach diesem Sonntage gefeiert werde; die Pharisäer aber dringen darauf, daß das 'Omer am zweiten Peßachtage dargebracht und das Schabuothfest danach sieben Wochen gefeiert werde. Mit dem Festhalten des Gegensatzes gegen die abweichenden Secten wurde daher öffentliche Demonstration gemacht. Wie man mit dem Schneiden der Omerfrucht selbst demonstrativ verfuhr, ist bereits Bd. II S. 111 besprochen. Ebenso war aber das ganze wirkliche Zählen ein Kampf gegen die Boethusen und die mit ihnen Uebereinstimmenden; heute ist der so und so vielte Tag nach dem Omer, sagte man jeden Tag, also entgegentretend der abweichenden Zählung jener. So war denn dieser Act der Ausdruck einer wesentlichen Unterscheidungslehre und daher von so hoher Bedeutung, daß er mit großer Feierlichkeit vollzogen wurde. Wenn solche Betrachtungen an halachische Werke, die nur einen historischen Werth beanspruchen können, geknüpft werden, so läßt sich noch irgendwie ein Nutzen aus ihnen ziehen. Wenn sie aber blos zum Vehikel dienen, um die eigene thalmudische Erudition zu bekünden, so werden sie zum Werke der Eitelkeit und sind unfruchtbar für die Wissenschaft. 14. August. Vierteljähresschrift III.י l. 2. 11

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