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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1864-01-01 · 1-2 · p. Seite 142

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
3 (1864-1865)
Issue
1-2
Date
1864-01-01
Page
Seite 142 (sequence 145)
Language
German
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14a VI. Das entblößte Haupt. haupten. Doch die Zeit ist einmal so, und wir nehmen sie, wie sie ist; aber bei größerer Ruhe findet auch eine ruhige Betrachtung eher Eingang. — Bekanntlich wird im Thargum ein muthiges, offenes Auftreten ausgedrückt durch ״mit entblößtem Haupte", und sicher sollte mit dieser Bezeichnung kein Tadel ausgesprochen werden gegen die Israeliten bei ihrem Auszuge aus Aegypten (2. Mos. 14, 8). Ebenso ist bekannt, daß im Thalmud zuweilen das Bedecktsein des Hauptes als Zeichen der Ehrerbietung gegen Gott aufgefaßt wird; cs ist orientalische Sitte, daß Entblößen des Fußes und Bedeckthalten des Hauptes, im Gegensätze zur uns'rigcn, dem Anstande entspricht. Daß sich daran in späterer Zeit mannigfache Discussionen knüpften, ohne daß ein Verbot des entblößten Hauptes festgestellt werden konnte, darf gleichfalls als bekannt vorausgesetzt werden. Aber weit interestanter ist, daß es im 13.Jahrhundert in Frankreich allgemeine Sitte gewesen, entblößten Hauptes selbst aus der Thorah beim öffentlichen Gottesdienste vorzulescn. Isaak b. Moses Or saru'a tadelt die Sitte, aber selbst sein Tadel scheint sich nur auf die Vorlesung aus der Thorah zu beschränken, nicht aber auch das Weilen im Gotteshause und die Bethciligung am Gebete mit zu umfassen. Wichtiger jedenfalls als die Ansicht des einzelnen Lehrers bleibt die Thatsache der allgemeinen Sitte. Eine Stelle, auf welche Hr. Rabbiner Low in einem auch sonst beachtenswerthen Gutachten neulich (Bcn-Chananja N. 31 S. 632) gelegentlich hinwies, uämlich Jfserles' Darkhe Moscheh zu Tur Orach Chajim 282 Anm. 3, sagt deutlich: בא״ו ואסור לקטן לקראת בראש מגולה וכ״ש גחל רלא כמנהג צרפת דקירין בראש מגולה• Im Or san,׳a heißt cs: ״Es ist einem Unmündigen nicht gestattet (aus der Thorah beim öffentlichcn Gottesdienste) vorzuleseu entblößten Hauptes, noch um so weniger ist Solches einem Erwachsenen gestattet, nicht wie cs in Frankreich üblich ist, entblößten Hauptes vorznlesen." Eine Bestätigung dieser historischen Ueberlieferung findet sich in einer Andeutung bei Abraham b. Nathan Jarchi in ha-Manhig, erstem Abschnitte § 45 (S. 15 ed. Berlin): ״Der Brauch ist, nicht mit entblößtem Haupte zu beten", worauf dann einige thalmudische Hagadah's angeführt werden, und schließt dann: ״Deßhalb ziemt es dem Menschen, bedeckten Hauptes zu gehn in bescheidener und ehrer- Lietiger Sitte vor der Weltrcgierung, wie es der Brauch aller Bewohner Spaniens ist, Gott stärke sie!" Jarchi war ein Provenzale und lebte nur zeitweilig in Spanien und dem Norden

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