Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 4 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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272 Recensionen. sind ihm gar lieb und werth, und interessant ist es ihm, daß ״dasselbe Jahr, wo sie vertrieben worden, das neue Land der Glaubensfreiheit, nämlich Amerika, entdeckt worden" (S. 101). So interessirt er sich denn auch entschieden für den obeugcnannten ״Verein", möchte ernstlich zu seinen Gunsten wirken, erkundigt sich stets nach dessen vorzüglichsten Gliedern, und es drängt ihn, ״in einem Aufsatze für die Zeitschrift den großen Judenschmcrz, wie ihn Börne nennt, ausznsprechen", wozu er, trotz mehrmaliger Zusage, denn doch nicht kommt. Ja, diesen ״Judenschmerz", er kennt ihn und sympathisirt mit ihm. Freilich ärgert er sich über die jüdische Masse, macht sich auch gelegentlich lustig über die bessern Bestrebungen, wo er jedoch einsichtsvoll hinzusctzt: ״Genug der Selbstpersiflage!" Aber die Erbärmlichkeit, mit der man von christlicher Seite gegen die Juden verfährt, der Judenhaß, der im Stammbaume wühlt, die Bornirthcit, die ihnen Deutschthum abspricht, das ist es, was seine ganze Seele empört. Als er Schudt's Geschichte der Juden, namentlich der Frankfurter, gelesen, sagt er: ״Ich weiß nicht, ob ich mich mehr geärgert über das Rischeß, das über jedes Blatt ausgegossen, oder ob ich mich mehr amüsirt habe über die Rindviehhaftigkeit, womit das Rischeß vorgebracht ist. O wie haben wir Deutsche uns vervollkommnet!" Ucbcrhaupt beschäftigt er sich mit Vorliebe mit jüdischer Geschichte ״wegen inneren Bedürfnisses". ״Ganz eigene Gefühle — sagt er — bewegen mich, wenn ich jene traurigen Blätter durchblättcre; eine Fülle der Belehrung und des Schmerzes. Der Geist der jüdischen Geschichte offenbart sich mir immer mehr und mehr, und diese geistige Rüstung wird mir gewiß in der Folge sehr zu Statten kornmen". Ja, daran dachte er immer, den Kampf gegen die bedrückenden Vorurtheile wider die Juden aufzunehmen. ״Daß ich für die Rechte der Juden und ihre bürgerliche Gleichstellung enthusiastisch sein werde, das gestehe ich, und in schlimmen Zeiten, die unausbleiblich sind, wird der germanische Pöbel meine Stimme hören." ״Denkst Du etwa — schreibt er später —, daß mir die Sache unserer Brüder nicht mehr so sehr am Herzen liege wie sonst? Du irrst Dich darin gewaltig . . . ״Verwelke, meine Rechte, wenn ich deiner vergesse Jcruscholayim" sind ungefähr die Worte des Psalmisten, und cs sind auch noch immer die mcinigen." Und in noch späterer Zeit klagt er, die Juden seien gegen ihn erbost, daß er nicht das Schwert ziehe für ihre Emancipation. ״O der Kurzsichtigkeit! Nur vor den