Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Levy: Jüd. Münzen. 197 geschaffen oder doch stark verbreitet, das von einem Jeden, der das Vertrauen in der Handelswelt genießt, leicht herznstetten ist und rasch in Umlauf gesetzt werden kann: die Wechsel, das Papiergeld. Hingegen hat das jüdische Volk in seinem ersten wie zweiten Staatsleben, soweit es in den allgemeinen Verkehr des Welthandels eintrat, sich blos der Münzen der größeren umgebenden, den Handel beherrschendcn Volker bedient. Das Lyrische Geld (כסף צורי) war daher von ältester Zeit her das maßgebende, und später waren die persischen Dariken und die römischen Denare, Asse, Dupondien u. s. w. die gangbaren Münzen. Und dennoch mußte das tiefste Seelenleben der Juden auch in diesem rein materiellen Werthmesser seinen Ausdruck erhalten. Zn heiligen Zwecken, zu Len Spenden für das Heiligthum, Tempelabgabcn u. dgl. bedurfte man der eigenen Münze, und ebenso prägte sich der andere damit verknüpfte tiefste Drang der Juden, namentlich während des zweiten Staatslebens, der Kampf um die nationale Selbstständigkeit, in der Münzprägung ans; das unabhängige Volk sollte auch seine von fremden Werthbestimmungen unabhängige Münze haben. Eine Münze, nicht Münzen, hatte daher das jüdische Volk, die freilich auch in den täglichen Verkehr mit seineu Schwankungen einging, während sie ursprünglich und auch für alle Zeit hauptsächlich höheren Zwecken diente: den Schekel mit seinen Bruchtheilen. Er war eine Silbermünze; das Gold stellt blos kostbare höhere Werthe dar und ist zunächst nicht Münze, und daher waren selbstständige jüdische Goldmünzen nicht vorhanden, währcnd Kupfermünzen unter demselben Namen Schekel sowohl für die Gesammtheit, wenn der Druck der Zeiten das Silber selten machte, als auch für die Armen geprägt wurden. Die Geschichte der jüdischen Münzen ist daher die Geschichte des Schekel; sie ist wahrhaft ein Stück jüdischer Volksgcschichte, ein Nachweis, wie das Volksleben und seine innersten Triebe sich in der Ausprägung eigener Münzen dargestettt haben. In diesem Sinne erfaßt auch der Herr Verf. vorliegender Schrift seine Aufgabe und führt er sie in wahrhaft musterhafter Weise durch. An der Hand der Geschichte führt er uns alle bis jetzt bekannt gewordenen Ueberreste jüdischer Münzen vor und deutet sie uns. Reiche Belesenheit, die das Material aus den entlegensten Enden znsammenbringt, während er es zugleich durch eigene Anschauung wie durch briefliche Mittheilungen der kundigsten Fachgelehrten vermehrt, verbunden mit gründlicher Forschung und eindringender Sachkenntniß, welche na- Bierteljahrschrift. I. 3.