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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1862-01-01 · 3 (1862) · p. Seite 186

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
1 (1862)
Issue
3 (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 186 (sequence 22)
Language
German
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1ÖD Recensionen. Jahre unter den Arabern gelebt, gelehrt und — gelernt. Aber er hat dabei den unbefangenen Blick nicht eingebüßt, vielmehr geschärft, und weiß nun aus deutschem Boden, als freier schweizerischer Mann seine reichen Erfahrungen und Kenntnisse zu einem psychologisch erfaßten Bilde der Entstehung und Entwickelung zu gestalten. Der Islam ist die jüngste große Rcligionsform, nicht — eine neue Religion. Es giebt blos eine Religion der Offenbarung, das Judenthum. Das Christenthum ist im Mutterschoße dieser Religion getragen, der Islam mehr mittelbar von ihr gesäugt und genährt worden. Das Judenthum war eine neue, ist die Religion. Es hat gegenüber den Phantasmen des Heidenthums und der Unzulänglichkeit der Spekulation durch intellectnelle Anschauung — und das ist ja Offenbarung — die ewigen religiösen Wahrheiten erfaßt, sie mit der ganzen Glnth der Ueberzeugung erfüllt und verbreitet, und diese Wahrheiten bleiben in ihrem festen Bestände trotz allen Anfechtungen und Zweifeln. Das Christenthum und der Islam haben die Erscheinungsform des Judenthums, wie sie gerade zur Zeit ihrer Entstehung sich dargestellt hatte, zum Thcile ausgenommen, zum Theile modisicirt und so eine cigenthümliche Form aufgestellt, ohne eine neue Religion zu gründen. Wir können der Geschichte des Judenthums folgen, aber seine Geburtsstunde nicht belauschen. Wie eine jede neue Idee tritt cs hervor als ein Plötzliches, als eine geniale Geburt, es ist empfangen; der weiteren Arbeit, die sich dann daran knüpft, können wir mit forschendem Blicke nachgehen. Die anderen Religionen sind aus den zeitlichen Verhältnissen, aus der Umgebung erzeugt, wir können und müssen die ganze Gährung genau beobachten, aus der dann die feste Gestalt in's Dasein getreten. Gerade diese Zeit der Gährung, die Entstehung des Christenthums und des Islam ist ein Moment der Geschichte, der Verbreitung des Judenthums; hat die neue Rcligionsform ihre feste Gestalt gewonneu, so durchläuft sie cigenthümliche Bahnen, sie hat sich von ihrer Wurzel losgelöst. In diese geistige Gährung des werdenden Islam führt uns Hr. Sprenger ein. Unmittelbar aus Judenthum und Christenthum ist der Islam' nicht entstanden, wenn auch der enge Zusammenhang mit ihnen und deren Einfluß auf ihn bei seiner Entstehung längst anerkannt und nachgewiesen ist. Der Vcrf. führt uns alsbald im ersten Capitel (S. 13 ff.) zu den ״religiösen Bewegungen im nördlichen Arabien vor Mohammed", er führt uns zu verschiedenen jüdischen

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