Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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170 L Die Rabbiner der Gegenwart. einige Zeit liegen bleibt: was ist über ihn zu bestimmen? — 4. Wenn ein Scheidebrief vor uns kommt, in welchem der Mann bezeichnet wird als Rüben, welcher genannt wird Abraham, dann kommen zwei Zeugen, welche behaupten, es müsse umgekehrt heißen: Abraham, welcher genannt wird Rüben, dann treten wieder zwei Zeugen mit der Behauptung auf, der Scheidebrief sei ganz richtig geschrieben, der Mann heiße: Rüben, welcher genannt wird Abra- Ham: darf die Frau auf diesen Schcidebrief hin sich wieder vcrheirathen? Sollte Dies nicht gestattet sein, wie ist zu verfahren, wenn sie sich bereits wieder vcrheirathct hat? — 5. Darf in den Scheidebrief eine Bedingung gesetzt werden, und wann mag Dies geschehend Muß die Bedingung dann in doppelter Form ausgedrückt werden, wenn die Scheidung als vom Augenblicke an gültig damit bezeichnet werden soll? . .. Gegenstand des schriftlichen Examens bildete ferner Exegese und Ucbersetzung des Ps. 49. ״Das mündliche Examen sollte zweierlei ergeben: das tiefere Verstä'ndniß des Thalmuds, verbunden mit der Auffassung des in ihm sich kundgebenden dialektischen Geistes; ferner die umfassende Kcnntniß der thalmudischen Quellen, mit besonderer Hervorhebung der rituellen Praxis . . . Das Examen aus der Einleitung in die Mischnah, der jüd. Ncligionsphilosophie, dem mos.-thalmud. Criminal- und Civilrechtc und andern in diesem Cyklus gelehrten Gegenständen konnte diesen Herren, die sich aus diesen Fächern schon mehrfach documeutirt hatten, erlassen werden." Ich will nicht darüber sprechen, daß den jungen Männern ein Examen in allen den letztgenannten Gegenständen erlassen worden, will cs gerne glauben, daß ״sie sich aus diesen Fächern schon mehrfach documeutirt haben", will in ״diese Fächer" auch die nicht genannte Geschichte des Judenthmns, biblische Theologie und Ethik, Katechetik, Homiletik u. A. einbegriffen annchmen. Ich will über- Haupt glauben, daß das Seminar besser ist als seine Prüfung und die das Seminar verlassen, besser als das Seminar. Aber jedenfalls werden in den Vordergrund gerückt, nicht blos als Mittelpunkt, sondern als wesentlicher Inhalt des Berufes den jungen Männern vorgehalten die Fragen, die ihnen gestellt worden, der ״dialectische Geist" des Thalmuds, d. h. Pilpul, und die rituelle Praxis. Und das ist wirklich der Stab, der den jungen Rabbinern in die Hand gegeben wird zum Beschreiten des Lebensweges? Also die angewachsenc Lunge und der geschundene Vogelfuß, sie