Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 3 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2420974-2420977--0175-2421335- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
168 l. Die Rabbiner der Gegenwart. steht es gedruckt von Jfferles aus Krakau und von Moses ans Brzesk Littewski, als ob wir nicht alle den tobten Buchstaben kennten! Wie sie ein Hohngelächter über die Anforderungen des Lebens erschallen lassen! Und ironisch führen sic noch andere Beispiele an, was diese amerikanischen Rabbi's für seltsame Lehrer sind. Da ist eine Frau so unglücklich, daß ihr Mann keine Kinder, aber einen im Posenschen wohnenden Schwager hinterla'ßt; sic hat ihn gewiß nie gesehen, aber was thut das? Es bleibt doch die Vorschrift des ״wenn Bruder zusammen wohnen" (5 Mos. 25, 4) dabei in Kraft, das Weib muß durch Chalizah von der Schwager-Ehe befreit werden, und zu diesem Behufe sott das Weib die Reise zum Schwager antreten. Ein amerikanischer Rabbiner hatte den sonderbaren Einfall, die Chalizah könne wohl brieflich abgemacht werden; allerdings curiose Halbheit. Da lächeln sie selbstzufrieden in ihrer Weisheit, die unwürdigen Nachfolger der Isaak b. Schescheth und der Simon b. Zemach Daran, ja selbst der Moses Jsserles, die das Leben zu würdigen wußten und es nicht vergaßen, daß die Lehre das Leben weihen, nicht aber zuerst dieses und dann — sich selbst tobten solle; da denken sie nicht daran, daß das Leben jetzt weit schwierigere Aufgaben stellt, daß die losgerissenen Brüder in Amerika in ihrer eigenthümlichcn Lage eine weise Beachtung finden sollten und sie nicht in muthwilligcm Kampfe zurückgestoßen werden dürfen. Doch lassen wir die Männer, von denen cs ziemlich zweifelhaft ist, ob sie der ״Orthodoxie" dienen wollen oder ob diese ihnen dienen soll. Ihr Gebahren ist zu widerwärtig. Allein ein Rabbiner-Seminar ist vor nahe an acht Jahren errichtet worden; es soll Rabbiner erziehen und sie für das Amt ausstatten. Als erster Anreger des Gedankens, der jüdischen Wissenschaft, der Psicge der jüdischen Theologie eine neue Pflanzstätte zu gründen, darf ich mich wohl auf die Worte beziehen, die ich vor nun 26 Jahren bei dieser ersten Anregung warnend gegen ein abgesondertes Seminar gesprochen habe"): ״Eine Facnltät, deren innere Einrichtung wir den zu berufenden Lehrern, deren Entwickelnng wir der Zeit überlassen mögen, ist unser Wunsch; nicht genügend würde ein für sich bestehendes Seminar dem Zwecke entsprechen. Denn gerade diese schöne Blüthe des geistigen deutschen Lebens, die Universitäten, wo die universelle Bildung ihren Sitz hat, 0 Wissenschaftliche Zeitschr. für jüd. Theologie Bd. II. S. 18.