Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Chronik und Koheleth. 147 seien auch in ihren Berichten über die Vorzeit immer von den geschichtlichen Vorlagen ihrer Zeit ansgegangcn, es sei ihnen ״unwillkürlich der Gedanke dictirt" worden, daß bereits früher sich Einrichtungen ״ausgebildet hatten, wie sie sie zu ihrer Zeit erblickten", ihr ״Eifer" habe sie dazu getrieben, ״gottesdienstliche und andere religiöse Einrichtungen auf frühere Zeit zurück'zuführcn", sie hätten daran ein ״Gefallen" gehabt, verehrten Personen der Vorzeit ״die bestmöglichen Verdienste zu vindiciren". Gesteht man zu, daß Dies über- Haupt dem Charakter des Alterthums angehört, daß ein von einer großen Aufgabe ganz erfülltes Volk gar nicht anders kann, als von dieser aus alle geschichtlichen Vorgänge zu betrachten und darzustellen: so wird der Chronist nicht darunter leiden, wenn dieses unwillkürliche Bestreben bei ihm schärfer controlirt werden kann, ja, wenn es bei ihm markirter, weil kleinlicher, wie es der matter gewordenen Zeit entspricht, hervortritt; ist er jedoch der Einzige, bei dem ein solches Bestreben zugegeben wird, ist es ein Gebrechen, das von allen anderen heiligen Schriftstellern auf's Sorgsamste fern gehalten werden muß, so begreift man die unzcitige Nachsicht nicht, welche gegen ihn geübt wird. Allein die Chronik ist, wie gesagt, ein verlorener Posten; man gab ihn ohne Weiteres auf, ohne sich um die Conseguenzen viel zu kümmern. Man mochte sich mit Vorgängern aus der Vorzeit beruhigen. Der Thalmud zwar giebt dazu keine Handhabe, er deutet dieses Buch wie andere und berichtet (Peßachim 62 b), über die Geschlechtsrcgister in 1 Chr. 8, 37 bis 9 Ende (zwischen אצל und אצל) seien eine solche Masse von Deutungen vorhanden gewesen, daß 400 Kamcele daran zu tragen hatten. Anders jedoch verfahren die spätcren Erklärer*), namentlich die aus der gesunden nüchternen Schule der Nordfranzoscn. Zu ihnen gehört z. B. der Commentator, dessen Arbeit fälschlich unter dem Namen Naschi's gedruckt ist. Es ist nunmehr anerkannt, daß derselbe später gelebt hat, aus Narbonne war, ein Angehöriger der Familie des Moses Ha-Darschan, und er hat manche aggadische Deutung im Gcschmack'e dieses seines Ahnen. Allein andererseits ist es auch nicht zu bezweifeln, daß er die Schulen der nordfranzösischen Lehrer besucht, ihre Lehren mündlich aufgenommen und sich mit ihren Schriften vertraut gemacht hat. Er führt sie bald namentlich an, bald giebt er Erklärungen, die anderswo *) Vgl. Schorr in He-Chaluz V. S. 89 st