Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 2 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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N. Die Orgel. 97 werde. Die Orgel sott deshalb unstatthaft sein, weil sie die Nachahmung des christlichen gottesdienstlichen Gebrauches ist. Ich ehre das strenge Halten darauf, dem Judenthume seine Eigenthümlichkeit zu wahren, ich wurde mich gleichfalls gegen jede leere Nachäfferei mit aller Kraft stemmen. Aber die Aufnahme eines weder das Wesen des Christenthums noch das des Judenthums berührenden Instrumentes als unstatthafte Nachahmung zu bezeichnen, ist doch in hohem Grade seltsam. Was bat man nicht Alles als verbotene Nachahmung bezeichnet! Die Abhaltung deutscher Predigten — Nachahmung , deshalb verpönt, die Ablegung des Kaftans, der hohen Pelzmütze, die Aufnahme des Nockes nach europäischem Schnitte u. dgl. — Nachahmung, verpönt! Und mit solcher beschränkten klösterlichen Anschauung will man Retter des Jndenthums sein? Da spricht sich der alte Joseph Kolon mit weit tieferer Einsicht aus. „Verbotene Nachahmung, sagt er (c. 88), kann nur auf zwei Arten Anwendung finden: 1) bei Dingen, für die kein vernünftiger Grund anzugeben ist, so daß die Aufnahme eben auch blos auf leerer Nachahmungssucht beruht, 2) bei Dingen, durch welche Anstand und gute Sitte verletzt wird, so daß der Leichtsinn dadurch seine Nahrung findet. Was sich aber als nützlich erweist, darf und sott Aufnahme finden". Das nehmen die Verfasser der Codices Joseph Karo in Beth Joseph zu Tur Joreh Deal) Cap. 178 und Moses Jsserles in Schulchan aruch das. 8 1 auf. Bedarf es nun erst der ausführlichen Anwendung auf die Orgel? Wer wollte endlich behaupten, daß die Orgel eine christliche Erfindung sei? Ohne hier mit Gelehrsamkeit prunken zu wollen, seien blos die Worte aus dem Conv.-Lcx. angeführt: „Einige leiten den Ursprung der Orgel von den uralten Pfcifenwerken der Chinesen und Hindus ab. Andere von denen der Hebräer, deren Nachkommen schon die Orgel in dem Tempel Salomonis, jedoch ohne Beweis voraussetzen, oder von der Sack'pfeife, noch Andere von einem der Orgel ähnlichen Instrumente der Griechen, der Wasserorgel". Und wenn nun wirklich die Orgel zwar nicht schon im ersten Tempel, aber doch im zweiten Tempel gespielt worden, wie denn ein dort übliches Instrument, Magrefah, der Orgel sehr ähnlich Machin 10b und 11a) beschrieben wird, wäre es da nicht um so höhere Pflicht, unser altes Erbe mit wahrem Danke gegen die, welche es unterdessen vervollkommnet, wieder als unser berechtigtes Eigenthum zurückzu fordern?