Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ratlosigkeit über Lessing. 75 hochherzigen, großgesinnten Menschen, hingegen den Patriarchen als einen herrschsüchtigen, racheschnaubenden und niedrigen Priester, Daja als ein abergläubisches Weib, selbst den Tempelherrn als einen zwar im Grunde edlen, aber doch hochfahrenden und dadurch leicht schlechtdenkenden und schlecht handelnden Christen und nur den Klosterbruder als — eine gutherzige Einfalt vorzuführen. Dieses Verbrechen ließ sich nun einmal nicht wegdemonstriren, es kann auch nicht gesühnt werden. Da faßte zuerst Menzel sich ein Herz. Nachdem er zuerst an sich selbst allen von früher her ihm anhaftenden Rost ״weichherziger Humanität" blank abgescheuert, machte er sich als achter Recke, würdig der Zeitgenosse eines besseren Geschlechtes zu sein als unseres ״scrophulösen", über Lessing her. Er kanzelte ihn weidlich ab, und Götze, der allerdings nicht schlimmer war als viele seiner Amtsgenossen waren und sind, aber nur das große Unrecht hatte, gegen einen Lessing in die Schranken zu treten, und das große Unglück, daß Lessing den Kampf ausgenommen, Götze wurde schon von Menzel als ein charakterfester Mann, der Ln seinem guten Rechte gewesen, gepriesen. In neuerer Zeit hat es Röpe noch besonders als Pflicht betrachtet, Götze zu ״retten". Man mag ihm ganz wohl zugeben, daß Götze sonst ein ganz gewissenhafter Mann, daß er von seinem Standpunkte aus zu seinem Kampfe ganz berechtigt gewesen. Was größer war, sein Unrecht oder sein Unglück, mag ruhig dahingestellt bleiben; dennoch wird, so lange die deutsche Literatur und mit ihr Lessing lebendig ist, das Brandmal nicht von seiner Stirn gewischt werden. Warum sollte Menzel aber ein solches Buch, wie das Röpe's, nicht mit Jubel begrüßen? Es war eine Halbheit von Boden, wenn er daran Anstoß nahm. Doch die Ruhe ist noch immer nicht zurückgekehrt. An zwei verschiedenen Orten mußte sich Lessing neuerdings wieder zurechtweisen lassen. In sehr gemessener Haltung that Dies die ״Evang. Kirchen- Zeitung" in einem Aufsatze: Lessing als Theolog (September-Heft Nr. 71—74), wahrhaft kctzerrichterlich aber gebärdet sich ein Herr E. Krüger in den Gött. Gelehrten Anzeigen Nr. 38 und 39, der sich nicht begnügt, Götze'n hoch zu preisen, sondern Lessing gern in den Staub treten möchte. ״Es ist Pflicht", ruft er aus, ״die widerchristliche, nach Thatsache und Idee falsche Toleranz zu strafen, welche sich daran ergötzen kann, sämmtliche Vertreter des Christenthums als beschränkte Köpfe oder boshafte Herzen darzustellen, wäh-