Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 2 (1863)
- Issue
- 1 (1863)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ratlosigkeit über Lessing. 73 sind sie in Algier die einzige im Wachsen begriffene Race, während Franzosen, Spanier, Mauren und Neger abnehmen. In Cochin- China und Aden, einem der heißesten Plätze der Welt, bringen sie ihre Kinder auf." 17. November 1862. 6. Die Uathlosigkeit über Lessing. Schon lange steckt dem orthodoxen Christenthum Lessing wie ein Pfabl im Fleische. Wenn Goethe und Schiller auch gerade keine Glaubcnshelden waren, wenn sie sogar den Cultus des griechischen Schönheitsideals weit eifriger pflegten als den der Vernunft verachtenden Selbstentmannung: so wird ihr Heidenthum zwar beklagt, aber ihnen doch verziehen. Haben beide doch hin und wieder auf Seiten des Protestantismus gestanden, hat ja Goethe, auch in dieser Beziehung ein achter alter Frankfurter Patriciersohn, wenigstens einer gewissen Antipathie gegen Juden Raum gegeben, Schiller Ln seiner ״Sendung Mosis" gar alten alexandrinischen Unsinn gegen Juden mit der Pracht seiner Rhetorik verbrämt! Es war hier dem orthodoxen Protestantismus zwar des Guten zu viel gethan, da er sich auch an der Bibel vergriffen, gerade wie er in seiner lyrischen und dramatischen Verherrlichung des Katholicismus im ״Gange nach dem Eisenhammer", in ״Maria Stuart", der ״Jungfrau von Orlcans" etwas zu weit gegangen; doch genug, er hat jedenfalls die Juden hinabgedrückt, und dies beruhigt schon ein orthodox-christliches Gewissen. Aber Lessing! Er beginnt mit der Darstellung eines edlen Juden fast seine dramatische Laufbahn (״Die Juden" 1749); schon dagegen muß der Theologe Michaelis als ästhetischer Kritiker auftreten, das sei unschön, weil unwahr! Und diese Laufbahn beschließt er, nach hartem Kampfe gegen Götze, mit seinem ״Nathan der Weise", worin die reinste Humanität durch den Juden vertreten wird! Das ist hart, dagegen kann seine Hervorziehung und Rettung des Berengarius nicht aufkommen, auch nicht daß er zuweilen unmuthig die consequente Orthodoxie dem Compromisse zwischen Theologie und Philosophie vorzieht, weil dabei beide zu kurz kämen. Was rönnen auch alle sonstigen Verdienste helfen, wenn man günstig über Juden urtheilt?