Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 1 (1862)
- Issue
- 1 (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Protest. Kirchenzeitung. 81 Gott unter dem Bilde keines körperlichen Gegenstandes verehrt werden dürfe; Herr M. sagt es, und Herr M. ist ein ehrenwerther Mann. Ebensowenig will ich fragen, warum Herr M. so geflissentlich das letzte der zehn Gebote: Du sollst nicht gelüsten, ignorirt; ich dächte, das geht etwas über die ersten Elemente hinaus, geht tief in die Gesinnung ein, Neid und Mißgunst sind noch gar nicht so aus der Welt gebannt. Zugegeben jedoch, es sei der ganze Inhalt der Zehngebote nun zum vollen Gemcingute der Menschheit geworden, liegt nicht gerade darin daß sie es geworden, eine erhebende religiöse Erinnerung? Ihr seid die wilden Reiser, die auf den edlen Oelbanm gepfropft sind (Br. an d. Römer 11,!7. 24) und strecket weithin die Arme aus; wollt ihr dem Oelbaume die tief innerliche Ergnickung verkümmern an „seiner Fettigkeit, mit der man Gott und Menschen ehrt", und mit der er euch selbst Leben spendet? Zugegeben, die Zehngebote enthielten nur die Elementarbegriffe, ist es die Wurzel oder die Krone, ist es der gediegene Grundbau oder das Dach, wovon die Festigkeit dort des Baumes, hier des Baues abhängt? Daß die Offenbaruugslehre siegreich die Welt durchschreitet, das ist die Feier, die sich an deren Anfang knüpft, und daß das „mit dem religiösen Bewußtsein Nichts zu thun hat", wohl aber die leibliche Auferstehung Jesu und das Reden der" Apostel in fremden Zungen, ist eine Ansicht, die Herr M. den „Gebildeten und Denkenden unter den Israeliten" vergeblich zumuthen wird. — Für das Hüttenfest scheint Herr M. keine „nur geschichtliche Erinnerung" zu kennen; die Wüstenwanderung der Israeliten, welche sich nicht auf die Zeit zwischen dem Auszüge aus Aegypten und der Einwanderung in Kanaan beschränkt, sondern die ganze irdische Wallfahrt der Juden, ihren ganzen Kampfeszug durch die Geschichte abbildet, das Weilen in Hütten, das, buchstäblich genommen, allerdings „aus eine ganz andere Heimath berechnet ist als die jetzige des Israeliten", weshalb auch diejenigen, welche die bibl. Gebote nach ihrer Bedeutung, nicht nach ihrem Buchstaben auffassen, „nicht mehr in Laubhütten wohnen", das aber im allgemeineren Sinne ein Wohnen in der Lehmhütte des Körpers auf der irdischen Wallfahrt abspiegelt, eine Betrachtung, die sich ganz natürlich an den Herbst anknüpst — die Bemängelung dieser Bedeutung bleibt Herrn M. für künftige ähnliche Aufsätze. Jedoch nun genug! „Vorläufig sei Herrn M. und Consorten nur soviel gesagt", daß wir uns in unserem Bildungszustande und Bierteljahrschrift. .11 6