Central-Anzeiger für jüdische Litteratur
- Journal
- Central-Anzeiger für jüdische Litteratur
- Volume
- 1 (1890)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 — dass die Gelehrten den Erscheinungen des Volkslebens eine erhöhte Aufmerksamkeit zuwandten und dadurch eine gewisse Nüchternheit der Anschauung gewannen, die so genau sie es auch mit den geringfügigsten Einzelheiten des ceremoniellen Ritus nahmen, sie von weltiüichtigem Ascetismus fernehielt. Auch im Allgemeinen hatten die Juden in diesem Zeitalter einen offenen Blick für die realen Lebensverhaltnisse, so dass sie ausserhalb des religiösen Gebietes, auf dem übrigens auch manche fremde Pflanze Wurzel gefasst hatte, sich von der übrigen Bevölkerung nicht abschlossen. Einen auch die geringsten Einzelheiten nicht ausser Acht lassenden Überblick über die Kulturzustände, wie sie unter solchen Verhältnissen in der deutschen Judenheit am Ausgange des Mittelalters sich herausbildeten, bietet uns das vorliegende Werk, in welchem sowol von den jüdischen als auch von manchen für diesen Ziveck noch nicht benutzten christlichen Quellen in sorgsamer und ausgiebiger Weise Gebrauch gemacht wird. An Manches, das unerwähnt geblieben oder weiterer Feststellung bedarf, möge hier noch erinnert werden. S. 12 über die Ritusverschiedenheiten s. Zunz, Ritus S. 66—73; auf einen in Mähren bestehenden Brauch (A. 2 Zz. 73 A. i) beruft sich auch Isserlein (Pesakim 8). Die Gemeinden des Oberrheins hielten sich an den Ritualmodus des R. Meir Halevi (Resp. Maharil Ed. Crem. 17), der die in den Rheinlanden üblichen Bräuche genau kannte (Isserl. ib. 63). — Das Werk Menachem’s aus Merseburg (S. 15) citieren auch Maharil (Resp. 86), Isserlein (Resp. 341) und Mose Minz (Resp. No. 56, Nachtr. 45 b, 46 a). Aus demselben scheinen die in seinem Namen angeführten Responsen zu stammen (Mahar. No. 121, Isr. Bruna, 102, 120 u. Mose Minz No. 63 c, Isserlein Resp. 242, Pesak. 55 vgl. auch Joel Särkes Resp. 70). Gegen die Angabe Grätz’s, dass Maharil ihn nicht anführe (Gesell. 8 S. 149 A. 3) vgl. auch M. Resp. No. 25 u. 71. Salomo Lurja besass einzelne Überreste seiner Schriften (s. Resp. 3,11, 101 und die von Carmoly in der Zeitsehr. הנשר hi p. 123 verzeiclineten Stellen). Menachems Werk muss aus mehr als aus zweihundert Paragraphen bestanden haben ©""מהר מ״ץ כד רב Grosse zu סנדק Ms. Budapest bei Berliner und Hoffmann Mag. 4 S. 87). Moses aus Halle nennt ihn vor Meir Halevi, woraus vielleicht zu schliessen ist, dass er ein älterer Zeitgenosse des Letzteren war ובתיקון הגט שבידי שתקן ה״ר ליסמך) ע״פ קבלת מהדר מנחם (1• ממירזמרג ומהדר מאיר מבילוא (מבולדא, Jam. sch. schiomo Gitt. II, 5). Als Menachems Heimat wird auch Frankfurt genannt (ס' מנחם מורנקבורט it>. Kid. 1,54 vergi. carm. 1. c.) Fortsetz, folgt. *) Diese Schrift ist Zunz (Nachtrag S. 46) unbekannt geblieben.