Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- X. (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 8)
- Language
- German
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2 liier ein kongenialer Geist aus der kleinlichen und verworrenen Darstellung heraus die vielfach verschlungenen Fäden zu ent־־ wirren, wo sie verwickelt, zu verknüpfen suchen, wo sie zerrissen waren, solch’ hohe Aufgabe stellt sich diese Arbeit nicht. Ihr Gegenstand hat weder sofort in die Augen fallende Bedeutung, noch sofort fesselndes Interesse, die Wirksamkeit, die er geübt hat, tritt weder in vielen Formen auf, noch greift sie in viele Gebiete tief ein. Dieser Versuch, zur Klarstellung einer der dunkelsten Seiten der Geschichte des jüdischen Mittelalters beizutragen, unternimmt es auch bei der beispiellosen Mangelhaftigkeit des vorhandenen Quellenmaterials nicht so sehr, aus ihnen ein vollständiges anschauliches Gesammtbild zu gewinnen, als vielmehr auf Grund zum teil völlig, zum teil fast unbenutzter Quellen vor allem die grundlegenden That־ Sachen festzustellen. Andere mögen aus diesen den tieferen Gehalt ziehen und die einzelnen Züge im Rahmen eines grösseren Bildes verarbeiten. Die jüdischen Lehnsfürsten in Babylonien (Resche-gelutha oder Besehe galvada1) גלואתא oder רישי) ראשי גלותא) stammten, wie sie sich rühmten, in direkter Linie2) aus dem altjudäischen Königshause2). Ihr Regiment galt also als eine Fortsetzung der alten Königsgewalt und zugleich als ein Beweis, dass das Scepter noch nicht gewichen aus Juda. Ein trostreicher Gedanke! Hatte diese Prophezeihung des sterbenden Patriarchen3) sich erfüllt, lebte die angestammte Dynastie der Davididen in diesen ihren Epigonen fort, so konnte auch die schöne Hoffnung, die die Propheten in den gläubigen Herzen erweckt hatten, nicht zu Schanden werden, die Gnadenzeit, die sie ihnen in den glänzendsten Bildern geschildert als die Zeit der Freiheit, Selbständigkeit, ja Weltherrschaft Israels, musste ein״ mal eintreffen, da ja der zukünftige siegreiche Volks- und Welt- *) Ueber die Aussprache vergl. S. Jona im ״Vessillo israelitico“ 1883 S. 135, der sich mit Berufung auf Scherira für ״galvada41 entscheidet, siehe auch in demselben Jahrgang die kleine Arbeit ״Resche galuta od. Besehe gaivada.“ 2) Im Gegensatz zu dem Patriarchen. Ber. r. cap. 32 unteu. 8) Gen. 49, 10. Ber. r. 1. c.