Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- IV. (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
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51 Ansicht vertrat, dass selbst durch Aussprüche des Talmuds die bereits erfolgte Ankunft des Messias zu erweisen sei. Ein Brief, den Josua Lorki noch als Jude an den bereits zum Christentume übergetretenen Paulus Burgensis gerichtet (abgedruckt in 46—41 דברי חכמים) und ein Schreiben, mit dem dieser denselben beantwortet hat, (veröffentlicht von Geiger in Ozar nechmad II S. 5, 6) sind die einzigen Documente, welche von den Beziehungen, die zwischen beiden Männern bestanden, Zeugniss geben. Josua Lorki drückt sein Erstaunen darüber aus, dass Paulus Burgensis sich zu dem Religionswechsel entschlossen habe, prüft die Motive, die ihn etwa zu diesem Schritte bewogen haben möchten und führt, nachdem er von denselben nur das eine als das richtige anerkennt, dass Paulus Burgensis wirklich zu dem Glauben an die Messianität Jesu gelangt sei, acht Beweisgründe gegen dieselbe auf. Schliesslich verlangt er von ihm Auskunft über die Frage, ob der Bekenner einer Religion die Wahrheit ihrer Lehren zu prüfen berechtigt oder gar verpflichtet sei und verbindet damit eine Auseinander- Setzung der Ansicht, die er sich selbst darüber gebildet hat. Paulus Burgensis bespricht in seinem Antwortschreiben blos den letzteren Gegenstand. Durch die Untersuchung der Frage, meint er, ob Jesu der verheiszene Messias sei, könne keine Grundwahrheit der mosaischen Lehre erschüttert werden. Zur Prüfung seiner Religion sei Jedermann verpflichtet, so lange der Messias noch nicht erschienen ist. Ist aber derselbe bereits gehommen, dann sei es die Pflicht aller, sich mit Aus- Schluss jedes Zweifels seiner Lehre zu unterwerfen. Im Uebrigen verweist er auf die Ansicht, die Maimuni darüber ausgesprochen hat und bezeichnet dann die Fälle, in denen der Mangel an richtigem Glauben verzeihlich ist. Man hat es für unwahrscheinlich befunden, dass der Verfasser des Briefes an Paulus Burgensis derselbe Josua Lorki sei, der später als Apostat in so gehässiger Weise gegen die Juden aufgetreten ist. Grätz (Gesch. 8 S. 425) hält es für ״psychologisch schwer denkbar“, dass derselbe Mann, der gegen die Messianität Jesu so viele Beweise aufführte, den Glauben an dieselbe nachher selbst den Talmudisten aufzudisputiren 4*