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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 93

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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Jahrhundert hinaufreichen und oft ältere handschriftliche Texte zur Grundlage haben mögen. Für die deutsche Sprachforschung wird sich die Kenntniss der jüdisch ־ deutschen Literatur als von grossem Nutzen erweisen. Es kann durch ein Studium derselben Manches aufgehellt werden, das früher dunkel schien, iind Manches ans Licht gebracht werden, das bisher unerkannt blieb. Man hat sich bis jetzt dieser Literatur gegenüber nur bibliographisch verhalten, theils weil sie ihrer wirklichen Bedeutung nach nicht richtig erkannt wurde, theils aber auch, weil die einzelnen Druckwerke wegen ihrer Seltenheit schwer zugänglich sind. Die Einen hielten sich von der Erforschung dieses Literaturgebietes ferne, weil Vertrautheit mit der hebräischen Sprache und mit der jüdischen Wissenschaft zur Behandlung derselben gehört, insofern als oft rein hebräische Wörter im deutschen Texte mit unterlaufen, und der Inhalt, wenn auch nicht immer, so doch zumeist, aus Stoffen, die dem jüdischen Leben entnommen sind, besteht; Andere wieder, weil ihnen das zur Vergleichung nöthige deutsche Sprachmaterial nicht zu Händen war, wodurch ihnen der Sinn vieler Stellen und Wörter sich nicht erschlossen konnte. Ohne hier in eine bibliographische Umgrenzung des da vorliegenden reichen Stoffes einzugehen, weil man vorerst dadurch eher verwirrend als belehrend wirken könnte, sei nur im Allgegemeinen darauf hingewiesen, dass die jüdisch-deutschen Schriften Bibelübersetzung, Grammatik, Lexicographie, Sagen (auch deutsche in eigenartiger Fassung und Bearbeitung), Fabeln, Novellen, Lieder, Dramen, Sprüche, Reisebeschreibungen und Sittenlehre zu ihren Inhalte haben. Ursprünglich zur Belehrung und Unterhaltung für Frauen, Mädchen und nicht auf der Höhe jüdischen Wissens stehende Männer, denen die hebräische Sprache in ihren Ausweitungen nicht durchwegs verständlieh war, bestimmt, hat die jüdisch-deutsche Literatur noch zu dem neben ihrer ethischen Tendenz auch im Allgemeinen eine polemische Seite. Sie ist ein Protest des jüdischen Volksgeistes gegen jene einseitige Richtung, die nur an der verstandesmässigen Auffassung des Gesetzes und an dessen scharfsinniger Auslegung ihr Genüge fand, wobei das Gemüth leer auszugehen in Gefahr war. Darum nahmen Verfasser jüdisch-deutscher Schriften nicht selten Anlass, gelegentlich bald offen

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