Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 183)
- Language
- German
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177 in der Bibel, aus deren Büchern doch hier die meiste Kunde zu holen ist,״ die nicht eine verschiedentliche Auffassung zulassen und auch erfahren haben, und fast kein Factum in der Geschichte des Zeitraums, über welche sich das vorliegende Werk erstreckt, über das nicht vielerlei oft einander entgegengesezte Vorstellungen sich gebildet haben. Hätte man es nun mit den Berichten der Annalisten, aus deren Auf- Zeichnungen die Geschichtsbücher des alten Israel hervorgegangen sind, allein zu thun, so würde eine kritische Prüfung ihres Inhaltes ausreichen, um ein wenn auch von ihnen völlig abhängiges Bild der alten Geschichte Israels zur Darstellung bringen zu können, allein die Reden der Propheten und die Lieder der Psalmsänger sind so überaus reich an historischen Andeutungen, an mehr oder minder offenen Beziehungen auf Zeitereignisse in den Reichen Israöls und Juda’s wie in der ganzen damaligen Völkerwelt, dass auch hier die Forschung ein fast unübersehbares Feld vor sich hat. Es gehört ein geübter, über nichts hinwegsehender Beobachtungsgeist dazu, diese Andeutungen herauszufinden; und dann ist noch erst der Weg zu suchen, der zu ihrer Klarmachung und Aufhellung führt. Grätz ist sich dessen bewusst, dass sich ein treues und lückenloses Gemälde des israelitischen Altertums nicht zeichnen lässt, wenn nicht die einzelnen Züge, die sich in jenen Reden und Liedern abspiegeln, mit in dasselbe aufgenommen werden, und wenn auch seine Vorgänger in dieser Hinsicht ihm nicht nachstehen, so ist er doch darin consequenter und methodischer vorgegangen. Er hat die Geschichte dieser Zeit durch Erzälung von Thatsachen vervollständigt, die zwar vor ihm nicht unbekannt waren, aber doch nicht so nach ihrem historischen Werte gewürdigt wurden. Ueberhaupt wird man es Grätz zugestehen, dass, wenn er über manche Vorfragen, welche hier zu erledigen gewesen wären, als über die Ursize der jüdischen Stämme, über die Patriarchenzeit und dergleichen, kurz hinweggegangen ist, er um so ausführlicher die eigentliche Volksgeschichte beschrieben hat. Durch eine klare Begrenzung und Ueberschauung des historischen Stoffmaterials, das er nicht nur kennt, sondern auch immer zur Hand hat, durch einen sicheren kritischen Tact, der vor verwirrenden Widersprüchen nicht zurückschreckt und zur Entdeckung eines oft unscheinbaren Umstandes hinleitet, in welchem der Schwerpunkt ihrer Lösung liegt, durch 12