Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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2 Zeit gar nicht als das epochemachende literarische Ereigriiss angesehen, als welches es schon deshalb, weil ein so langer Stillstand der schrittstellerischen Thätigkeit ihm vorangegangen war, erscheinen musste. Der Talmud war kein Phänomen, das mit überwältigender Macht die Blicke auf sich zog, mit überraschender Plötzlichkeit in die Augen fiel, er war nur ein Monument, das, nach und nach in der Werkstätte des jüdischen Volksgeistes geschaffen, nun enthüllt und auch den Fernestehenden sichtbar gemacht wurde. Sein Erscheinen in der Oeffentlichkeit konnte, weil sein Inhalt innerhalb der jüdischen Glaubensgemeinde nie ein Geheimniss gewesen, auch keinen Anstoss zu einer neuen Geistesbewegung geben. Es war dieses selbst nur der Abschluss eines wol stillen aber nachhaltigen bis in die Wurzeln des innersten Lebens eindringenden Umwandlungsprocesses, den das aus seiner ursprüngliehen Existenz verdrängte Judentum bei dem Eintritte in völlig veränderte Verhältnisse notwendig durchmachen musste, und konnte darum nicht als eine an sich bedeutsame und denkwürdige Thatsaehe sich darstellen. Die Quelle, aus der das ״Meer des Talmuds“ sich ergossen hat, ist weit hinter ihm aufzusuchen. Schon als mit dem Zusammenbruche des jüdischen Staates der jerusalemische Tempel, der bis dahin das Herz des religiösen Lebens gewesen, in Asche gesunken, das Priestertum, dessen Beruf und Würde dort ihre alleinige Heimath hatten, bedeutungslos und eine ganze Reihe von Gesezen, in denen das Judenthum bisher zumeist seine Gestaltung und Ausprägung sich geschaffen, hinfällig geworden waren, musste dieses anderswohin den Schwerpunkt seines Fortbestandes verlegen, in eine andere Bahn seiner Entwicklung einlenken. War bisher die sadducäische Anschauung, welche das alte Opferwesen sanunt den mit ihm zusammenhängenden Einrichtungen als den Kern der nationalen Gottesverehrung betrachtete, mit allerdings auch wechselndem Einflüsse vorherrschend gewesen, so hatte sie jezt im Volke jeden Halt und Boden verloren. Sie musste entweder sich selbst aufgeben oder eine Verbindung mit dem noch im Werden begriffenen Christentume eingehen, in dem Glauben an den erschienenen Messias, an das erstandene Gottesreich, darin die alte Herrlichkeit, Priestertum und Opferdienst nicht untergehen, ihre Befriedigung finden und die Verwirklichung ihrer Ideale erkennen. Währenddem so der Sadducäismus sich in den Minäismus umwandelte,