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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 459

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 459 (sequence 59)
Language
German
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Biblische Stoffe in der neuen deutschen Dichtung. 159 rarischen Thätigkeit entgegensehen. Die Dichtung der nachgoethe'schen Zeit habe bereits manchen glücklichen Griff gethan, und nach dem, was die Saat verspreche, werde die Ernte reich sein. Es ist hier nicht der Ort, zu entscheiden, inwiefern Taillandier's jedenfalls sehr optimistisch gefärbte Anschauungen im allgemeinen berechtigt sind. WaS aber unser Thema speciell betrifft, so geben wir bereitwillig zu, daß uns Taillandier's Ausspruch im vollsten Umfang als begründet erscheint. Aach dem Wust biblischer Dichtungen der Bodmer-Klopstock'schen Zeit und nach den theilweise unklaren und ziellosen, theilweise pedantisch gelehrten Bestrebungen auf diesem Gebiet in den ersten vier Decennien des 19. Jahrhunderts bekunden die hierher gehörigen Dichtungen der letzten fündunzwanzig Jahre einen überraschenden Fortschritt in der Auffassung und Darstellung des biblischen Stoffes. Die Rolle des Epos ist nun ganz ausgespielt und das Drama beherrscht ausschließlich das Terrain. Einzelne Versuche, die epische Form neuerdings zur Geltung zu bringen, wie Max Waldau's' „Rahab. Ein Frauenbild aus der Bibel", stehen vereinzelt da und sind auch ohne Einfluß geblieben. Es kann uns hier ebenso wenig in den Sinn kommen, eine auch nur annähernd erschöpfende Darstellung der Bibeldramen dieser jüngsten Periode zu versuchen, als wir es unternehmen wollen, die einzelnen Werke, welche hier in Betracht zu ziehen sind, einer eingehenden Kritik zu unterwerfen. Die zwei bedeutendsten Dichter von Bibeldramen, Friedrich Hebbel und Otto Ludwig, haben in diesen Blättern bereits von anderer Seite her eine tiefgehende und scharfsinnige Charakteristik erhalten, und abgesehen davon, handelt es sich hier überhaupt nicht um ästhetisch-kritische Randglossen zu einzelnen Dichtungen, da wir bei diesen Untersuchungen nur den stofflichen Gehalt der Werke zu berücksichtigen haben. Seit dem Erscheinen der „Judith" Hebbel's (Hamburg 1841) ist kein Jahr vergangen, das uns nicht eine ganze Reihe von zum Theil sehr beachtenswerthen biblischen Dramen gebracht hätte. Hebbel selbst hat bekanntlich nur noch einmal, in „Herodes und Mariamne" sWien 1850) einen Tragödienstosf aus der Geschichte der Juden genommen, und Ludwig hat nur eine Tragödie mit biblischem Stoffe, „Die Makkabäer" (Leipzig 1855) gedichtet. Um so zahlreicher sind die Werke der Nachahmer Hebbel's. Wir fürchten nicht, ungerecht zu sein, wenn wir auch Alfred Meißner's Drama „Das Weib des Urins" (Leipzig 1851), Wilhelm Gärtner» „Simson" (Leipzig 1852) und Elise Schmidt» „Judas Jschariot" (Leipzig 1851) als "Nachahmungen der Hebbel'schen Dichtung bezeichnen; dies gilt namentlich von den beiden letztem Werken, welche in der drastischen Charakteristik und in dem kräftigen Gang der Handlung an Hebbel erinnern, aber die Höhe feiner weltgeschichtlichen Auffassung nicht erreichen. Unabhängig von Hebbel'schem Einfluß hat sich, soviel uns im Augenblick erinnerlich, nur Gottfried Kinkel gehalten, dessen Tragödie „Nimrod" (Hannover 1857) eine sehr würdige Bearbeitung des großartigen «Stoffes ist, und in der nur die zu häufigen Reflexionen und die für die Wildheit jener Zeiten zu gewühlte und glatte Sprache etwas störend wirken. Wir verzichten darauf, die übrigen Werke dieser Art hier anzuführen; selbst I. G. Fischer'» „Saul" scheint uns einer besondern Erwähnung nicht zu bedürfen. Die eine Betrachtung aber können wir am Schluß dieser bescheidenen Skizzen nicht unterdrücken: zahllos find nunmehr die Bearbeitungen biblischer Stoffe in der deutschen Dichtung. Keine Literatur der Welt, selbst die englische und die französische nicht, ungeachtet des Milton'schen Epos und der Tragödien „Esther" und „Athalie" von Raeine, hat so viele biblische Dichtungen aufzuweisen wie die deutsche. Es ist dies eine Thatsache, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Ist sie aber auch, vom literarischen

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