Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1866)
- Date
- 1866-02-01
- Page
- Seite 370 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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370 Jllustr. Monatsh. für die gef. und Kälte auch Hitz, dann iu Scheuern und Stallungen durch Hunger, Kummer, Frost und Todesangst erleidenden unaussprechlichen Elends sich der Prager Judenschaft erbarmen und von ihnen die decretirte lillmgration allergnädigst aufzuheben geruhen möchten. „Wie nun Allergnädigste Frau aller dießer von Ihren jüdischen Iimpoetorilum angeführten und in der That sich also und nicht andersten befindende Vewögursachen ungeachtet, will uns doch nicht geziemen, wieder dero So vielfältige mahl reitorirte gescherffteUo- < ullivanordnungen auf gnädigste limitiruug dieser wider die Prager Jndenfchafft verhängte lAnigration anzutragen, doch sehen die Umbstände dergestaltcn beschaffen, daß bcv noch längerer Fürdauerung oder zurückbleibenden dero allerhöchsten üimlrosalutian dießes in einer doch großen anzahl bestehende und dem Publico vorhin ans obangeführte und mannigfaltige andere allbereits schon zum öfftern allernuterthänigst vorgcstelte Arth vorhin durch verschiedene Mittel und Wege an Hand gegangene Jüdische Volk nicht allein zerfalleil und meistcntheils durch Hungersnot verschmachten, sondern durch die im Land erworbene demselben noch etwa übcrgebliebene oder bev verschiedenen christl. iwbitnribrm ausständige beh wirklichen erfolg aber ihrer bmn^ration nothwendig außer Landes hiuwegschlcppeude Barschaft dem Hierlands ohne deine in gegenwärtigen bedrängten geld- und nahrungsloßcu zciteu völlig eutkräffteten und ansgeschöpften Uadlica kein Nutzen, wvl aber einen empfindlichen Schaden" zu iinmiinro» scheint. „Als; haben in obligcntlicher Beobachtung unserer Pflichten uns nicht entschlagcn können, Ew. k. k. M. dicße jüdische Emigrations Kituatian zu dero allcrgnädigsten baldigen auf ein oder andere Arth anßfallen mögenden allerhöchsten tinal i «!8alutian!?schöpstung in untcrthäuigkeit hiermit uochmalen zu ilgnao^ontiron und anbeh erg. uns zu dero sürwehrende allerhöchsten k. k. Hulden in ^ulnni^rortor Ehrfurcht Empfehlen sollen. Interessen des Judenthums. „Geben ob dem k. Prager Schloß den 5. ^pr. 1746. „Euer k. k. M. allcruuterthänigst gehorsamst Treue diener und unterthanen I. Eritst Gf. v. Schafgotsche Metzel Frh. v. Czehken Wentzel Gf. von Lobkowitz Wentzel Frh. v. Netolitzkh Ferdinand Gf. v. Lobkowitz Joh. Frh. v. Goltz." Man möchte es nicht glauben, daß eine Monarchin, die in so außerordentlicher Weise durch ihre Einsicht und Erkenntnis; hervorragte, die andererseits so weiblich zu fühlen verstand, wie die Kaiserin Maria Theresia, all den Gesuchen und Vorstellungen kein Gehör gab, wenn wir nicht schwarz auf weiß die Dinge vor uns hätten. Es zeigt sich da neuerdings, wie blind die Leidenschaft ist, daß sie, unbekümmert um das eigene Verderben, rastlos bemüht ist, das Verderben des Gegners herbeizuführen. „So will ich denn sterben mit den Philistern", ist die Parole, und allerdings war die Ausweisung für die Juden selbst ein Unglück, für den Staat und für das Land so wie für Prag aber auch eine große Kalamität. Man ist heute enthoben, de» Beweis zu führen, daß die plötzliche Entfernung von mehreren tausend Menschen der Nationalökonomie empfindlichen Schaden bereite, und mau kann sich nur Wunder», daß man zu jener Zeit, die doch nicht gar so fern ist, so kindlich-naive Anschauungen hatte. Man muß im gegebenen Fall uni so mehr über die offenbare Verletzung der Staatsiuteresscn erstaunt sein, wenn mau weiß, wie groß die finanziellen Bedrängnisse des Staats infolge der stets andauernden Kriege waren, und daß die Kaiserin geradezu genöthigt war, mit den Ständen u. s. w. »m die Krönungsdotation u. s. w. zu feilschen. In der That fanden die Juden bald Succurs. Der Bürgermeister und Rath der Stadt Prag wendeten sich an den Gouverneur und erwiesen, welcher Schaden der Stadt bereits durch die Ausweisung der Juden aus Prag in dem nahe gelegenen Lieben erwachsen sei. Sie meinen, es könnte diese Ausweisung ohne gänzlichen Umsturz der