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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 277

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 277 (sequence 37)
Language
German
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Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1744. 277 getrieben und sonsten den Einlaß vor andern Vonnöthen haben. „3) Nach Verlaus derer 6 Monaten hingegen sollen die Juden insgesammt auch das ganze Königreich Böhmen räumen und inner desselben Grenzen sich nirgend mehr finden lassen. Da im widrigen sie, wie besagt, mit militärischer Hand ausgeschafft werden sollen. Welche Räumung des ganzen Landes bis zu dem letzten Tag des Monats Juny ^nno 1745 „4) Nicht allein auf die Prager, sondern gleichfalls auf die sämmtliche Landesjudenschafft verstanden und extendirt seyn solle, also daß an demselben Tag kein Jude mehr im Königreiche anzutreffen sey und keiner von selben in einem Erblande von allerhöchst besagten Jhro königl. Majestät sich niederlassen solle. Wonach sich dann sowohl die sämmtlichen Juden, als auch diejenigen, so mit ihnen einige Verkehrung haben durchgehends Pflichtschuldigst und auf das genaueste zu richten wissen werden. „Geben ob dem k. Prager Schloß den 22. Dec. im Jahr Christi 1744." Trotz der eifrigsten Nachforschungen, um zu erfahren, welches die „meyrererley bewegenden höchst triftigen Ursachen" waren, weshalb dieses Edict erlassen wurde, ist es uns nicht gelungen, dieselben zu erfahren. Es befindet sich in den hiesigen Archiven kein Voract darüber; ja das Original der kaiserlichen Entschließung selbst ist nicht vorhanden. In Schlosser's Geschichte des 18. und 19. Jahrhunderts II., 74, heißt es: „Im folgenden Frühjahre (1743) ward Maria Theresia in Prag gekrönt und machte manche heilsame Verbesserung, obgleich sie anfangs die böhmischen Juden, die sich der fremden Herrschaft angeschlossen hatten, hart verfolgte. Es bedurfte der holländischen und englischen Verwendung, bis das harte Gesetz der Verbannung der Juden zurückgenommen ward." Schlosser präcisirt hier nicht genau das Datum, wann die Juden ausgewiesen wurden; im übrigen folgt er den Ansichten seinerVorgänger: Bellarz, Bodenschatz, Pelzel, Herman u. s. w. Der Chronist Abraham Trebitsch in seinen: „Koroth hakttim" berichtet, daß die Juden in Prag sich an ihre Glaubensbrüder in Holland und England, in der Türkei und in Polen gewendet haben, sie mögen ihren Einfluß bei ihren Regierungen geltend machen, damit die befreundeten Höfe bei der Kaiserin eine nachdrückliche Fürsprache für die Exulanten einlegen?) Wir wollen nun die Aktenstücke, die wir in dieser Beziehung durchforscht haben, zu Rathe ziehen und betrachten, inwiefern der vorgebrachte Grund der Ausweisung wahr, und ob die angegebene Ursache der Sistirung der Maßregel richtig sei. Zunächst wollen wir bemerken, daß, wie aus dem Ausweisungsdecrete hervorgeht, der Beschluß der Kaiserin in leidenschaftlicher Weise verhängt wurde. Die Ausweisung, welche über die Juden Prags und Böhmens verhängt wurde, war, wie bereits erzählt, nicht die erste in Prag oder in Böhmen. Die Juden wurden auch aus andern österreichischen Kronländern wiederholentlich ausgewiesen. Doch nirgends wurde ein so kurzerTermin den Exulanten gegönnt, um ihre Geschäfte abzuwickeln, wie in dem gegebenen Fall. Das Decret erschien Ende Dec. 1744, und am letzten Januar 1745 sollten die Juden Prag bereits geräumt haben. Noch ein anderer Unterschied waltet in dieser Beziehung ob. Bei vorhergegangenen derartigen Fällen, wenn in Oesterreich die Juden aus einer Stadt oder aus einem Lande gewiesen wurden, war es ihnen gegönnt, sich in einem andern österreichischen Kronlande, wo den Juden der Aufenthalt gestattet war, sich niederzulassen. Wir erinnern beispielsweise daran, daß der größte Theil der jüdischen Exulanten aus Wien im Jahre 1670 sich in Mähren niederließen. Bei dieser Ausweisung sollten die Juden Oesterreich verlassen und sich in Sachsen oder in Polen ein Unterkommen suchen. An alle Landesstellen *) Hr. Rabbiner D. Oppenheim bespricht „Das letzte Exil der Juden in Oesterreich" in der „Neuzeit", 1862; Joseph Wertheimer in den „Juden in Oesterreich".

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