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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 266

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 266 (sequence 26)
Language
German
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268 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. danken, und die er nicht eingeführt hat, sondern welche er gesetzlich regelte, um ihren Misbrauch wenigstens zu verhüten, ihre Erhaltung oder Modificirung der Zukunft anheimgebend; dahin gehören außer der Blutrache: Beschneidung, Leviratsehe, Erblösen, Sklaventhum, Opfer, König- und Priesterthum. Daß dieses Gesetz von „Zahn u. s. w." gar nicht im Geiste des Judenthums gelegen, beweist die Tradition, der Talmud, welcher uns berichtet, daß dieses Gesetz nicht buchstäblich executirt worden ist, sondern der Verlust des Zahns u. s. w. vom Richter mit Berücksichtigung der sachlichen und persönlichen Verhältnisse nach „Geldeswerth" taxirt wurde (Lab. L. 83, 6). Selbst aber auch die Todesstrafe, welche wir die Consequenz jenes Gesetzes nannten, ist der Tradition zufolge durch die sie erschwerenden Umstände im Judenthum fast unmöglich gewesen und nie oder nur äußerst selten in Wirklichkeit zur Ausführung gekommen. Es verräth sich darin sogar das Streben nach Abschaffung derselben (Wsebu. Ug.ee. 1, 10). Es läßt sich also weder aus der Aufnahme des Gesetzes von „Zahn um Zahn" u. s. w. in Moses' noch aus der Beibehaltung der Todesstrafe in unserer Zeit auf ein vorherrschendes Rachegefühl schließen. Von denjenigen selbst, welche principielle Gegner der Todesstrafe sind, nehmen viele aus praktischen Gründen auch heute noch Anstand, sie aufzuheben. Die Behauptung, daß dem Judenthum das Princip der „Liebe" mangele, welche man aus dem in Rede stehenden Gesetz begründen zu können laubte, fällt demnach auch hier nicht los in ihr Nichts zusammen, sondern in ihr gerades Gegentheil zurück. Moses war principiellcr Gegner des Gesetzes, konnte dasselbe aber als eine Vorgefundene Volksinstitution nicht sofort abrogiren; er nahm es daher auf, um es der Volksjustiz aus den Händen zu nehmen, erwartend und dahin strebend, daß das sich allmählich Bahn brechende Princip der Liebe eine mildere Ausführung des Gesetzes bewirken und eine gerechtere Handhabung des Vergeltungsrechts an die Stelle setzen werde. Man darf überhaupt nicht vergessen, daß bei Moses uns das Judenthum nicht in theoretischen Lehrsätzen und abstracten Principien entgegentritt, sondern in praktischen, von hohen Religionsprincipien eingegebenen, aber doch von den Orts- und Zeitverhältnissen mit beherrschten Gesetzen. Dadurch daß Moses sein Religionssystem in festen, anwendbaren Gesetzen, statt in unbestimmten, der subjectiven Auslegung anheimfallenden Lehren übergab, schaffte er demselben nach dem Wesen aller Gesetze eine größere, vor Wechsel und Verfall schützende Stabilität. Auf der andern Seite wurde demselben durch die aus den einzelnen Gesetzen zu abstrahirenden allgemeinen Principien und die von Anfang an neben dem geschriebenen Gesetz zur Erläuterung und Fortbildung einhergehende Tradition die Entwickelung und der Fortschritt gesichert. Diese Traditionen aus ältester Zeit sind im Talmud enthalten, und in ihm findet sich auch die obenangeführte Deutung des Gesetzes von „Zahn um Zahn" u. s. w., wonach nicht die reale Ausführung des Gesetzes, sondern die Taxirung des zugefügten Schadens nach Geldeswerth von Anfang an gemeint gewesen sei. Selbst wenn aber diese Auslegung sich auch erst mit der Zeit gebildet hätte und möglich gewesen wäre, immerhin liegt darin der Beweis, daß der Geist des Judenthums die „Liebe" und nicht, wie man nach jenem Gesetz anzunehmen berechtigt zu sein glaubt, die „Rache" ist. Im Christenthum war dies von vornherein anders. Dieses gab sich nur in allgemeinen Principien und Lehrsätzen zu erkennen. Der neutestamentliche Ausspruch: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt" mag zunächst seinen Grund in der Vermeidung politischer Verwickelungen haben, in welche Jesus von seinen Feinden und den Römern gezogen zu werden Gefahr lief; aber es ist auch nicht unmöglich, daß er nach dem Beispiel der Propheten das Judenthum in formaler Erstarrung bemerkte und durch Hervorkehrung seiner allgemeinen Lehrsätze und Principien es in Fluß zu bringen suchte. Es wäre dies ein Bestreben, welches

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