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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 264

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 264 (sequence 24)
Language
German
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264 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. renden Feuer" (Deut. 9, 3; 32, 22) verglichen wird, aber es sind dies nur malerische Ausdrücke von Gottes vernichtender Allgewalt, vor dernichts besteht, und welche der hartnäckige Sünder zu fürchten habe. In ihrer realen Wirklichkeit passen sie freilich nicht auf Gottes geistiges und höchst vollkommenes Wesen, sie sind Anthropomorphismen, sinnliche Ausdrücke, in welchen überall nur von geistigen Begriffen und Vorstellungen geredet werden kann und auch von Gott deshalb der Philosoph und Theolog in gleicher Weise reden muß. Der Ausspruch des Dekalogs: „Gott ahndet die Schuld der Väter an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Geschlecht" u. f. w. (Ex. 20, 5) ist von denen, welche, daraus auf den Geist des Judenthums schließend, behaupten, daß es einen Gott der „Rache" und nicht den „der Liebe" lehre, durchweg misverstanden worden. Schon der Pentateuch (Deut. 24, 16) schließt diese Reciprocität der Schuld für Vater und Sohn und umgekehrt aus und schreibt ausdrücklich vor, daß jeder die Verantwortlichkeit für feine Handlungen und deren Folgen selbst trage. Deutlicher, wenigstens ausführlicher noch erklärt sich darüber Ezechiel in der bereits angeführten Stelle (32, 12 fg.). Die Continuität der Sünde ist vielmehr in jener Stelle des Dekalogs ausgesprochen in dem Sinne des Dichterworts: „Das eben ist der Fluch der bösen That, daß sie fortzeugend Böses muß gebären." Durch diese unausbleiblichen Folgen der Sünde wächst natürlich die Verantwortlichkeit dafür, und der Zweck des Ausspruchs ist daher nicht blos die Androhung der göttlichen Strafgerechtigkeit gegen den Sünder, sondern die Mahnung zur um so größer» Vorsicht seitens desselben. Wie wahr ist es aber doch auch, daß die Folgen der bösen That, wie die Spuren der göttlichen Strafe oft erst an den folgenden Geschlechtern sicht- und bemerkbar werden. Die Keime der bösen Saat sind anfänlich oftso unmerklich und klein, daß Jahrhunderte vergehen, ehe die reife Frucht zur Erde fällt. Die Gewebe der göttlichen Fügungen bestehen aus so dünnen und zarten Fäden, daß diese einzeln dem menschlichen Auge verschwinden und in ihrer allmählichenZusammensetzung erst bemerkt werden. Auch ist nicht zu übersehen, daß der Text ausdrücklich hinzufügt: „Für diejenigen, welche mich hassen." Damit ist ausgesprochen, daß nicht die unverschuldeten Kinder und Kindeskinder für die Sünden der Väter zu büßen haben, sondern nur diejenigen, welche, der Lehre und dem Beispiel der Väter folgend, in deren Wegen wandeln. So auch deuten die Schriftausleger dieses Wort der Bibel im Geiste des Judenthums. Wie wenig überhaupt aus dieser Strafandrohung des Dekalogs auf das Princip der „Rache" im Gegensatz zu einem „Gott der Liebe" geschlossen werden kann und darf, geht aus dem unmittelbar folgenden Gegensatz hervor, wo es heißt, oaß Gott „Liebe übt bis in das tausendste Geschlecht". Das Princip der Liebe wird als ein vorherrschendes bezeichnet durch den Gegensatz: bis in das tausendste Geschlecht, während die Strafe sich nur bis in das dritte oder vierte ausdehnen soll, aber auch dies nicht ohne das eigene Verdienst der nachfolgenden Geschlechter, welche nach der Lehre und dem Beispiel der Väter den Weg des Guten und der Tugend wandeln, denn es heißt wieder: „Für diejenigen, welche ihn lieben und seine Gebote halten." Um den Geist des Judenthums als den „der Rache" zu brandmarken, verweist man auch in der Regel, blind für alles, was vom Gegentheil zeugt, auf das Gesetz: „Zahn um Zahn" u. s. w. Ich frage aber: Ist der Geist der Rache aus unserer Zeit geschieden? Ich ineine nicht blos wegen des Dolchs der Venäkitta, welcher noch immer geschwungen wird, sondern auch wegen der Todesstrafe, welche nur eine weitere Consequenz des Gesetzes von „Zahn um Zahn" u. s. w. ist, lautend: „Leben um Leben, oder Blut um Blut" (Ex. 21, 23). Nicht durch den Geist der jüdischen Lehre befindet sich dieses Gesetz in den mosaischen Büchern, sondern durch den Geist der jüdischen Nation. Die Vsnäöttu lebte damals noch im Geiste des jüdischen Volks, und es war

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