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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-01-01 · Heft 4 (Januar 1866) · p. Seite 242

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 4 (Januar 1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Thüren er öffnen, wie viel unnütze Worte er reden und was er oft alles anhören muß, ehe es ihm gelingt, ein Tüchel — der Bäuerin zum Kopfputz — oder einige Ellen blaue Leinwand — für einen Rock — zu verkaufen, davon hast du wieder keine Vorstellung; darum nimm es auf Treu und Glauben an. Der andere treibt einige Kühe hinaus, um dieselben entweder zu verkaufen, oder je nachdem es dem Bauer gefällt, für andere aus dessen Stall umzutauschen; denn der Kuhhändler hält feine Thiere nicht als Hausthiere zum Privatgebrauch, die ihn das Jahr hindurch mit Milch und Butter versorgen, sondern als Händler sind sie ihm ein bloßer Verkaufsgegenstand, und er gibt eine wie die andere willig hin, wenn er dabei nur etwas verdient, sowie ein Bankier seine Lose nicht hinlegt, um ängstlich auf den Haupttreffer bei der nächsten Ziehung zu warten, sondern unbekümmert jedes Los hergibt, sobald es verlangt und mit den von ihm geforderten Procenten gezahlt wird. Ein dritter geht ins Dorf, um verschiedene andere Dinge, wie sie ihm gerade Unterkommen, wie Hasenbälge, altes Eisen, Messingbeschläge u. s. w., einzukaufen und sie wieder an den andern, der sie gerade brauchen kann, loszuschlagen. Dieser ist der Abenteurer unter den Dorfgehern, der richtige Hausirer, der auf nichts Bestimmtes den Sinn gerichtet hat, sondern immer voll von Hoffnung lebt, daß ihm Gott einmal eine „Mezieh" (Fund) bescheren werde. Kann denn nicht unter solchen alten Sachen einmal auch ein sehr werthvoller Gegenstand sich befinden, der ihn Zeit seines Lebens aller weitern Sorgen überhebt! Warum sollte er nicht auch einmal einen kostbaren Edelstein, oder ein für Messing gehaltenes Stück Gold oder etwas dergleichen in die Hände bekommen, wenn ihm nur „Elie Nowi" (der Prophet Elias) begegnen und einen guten Weg führen möchte. Dabei geht keiner den Weg des andern. An die Thüre, zu welcher der eine eingetreten, wird von dem andern gar nicht angeklopft; ein Bauer, mit welchem der eine eben einen Handel abmacht, existirt in dem Augenblick für den andern gar nicht; denn das hieße in das Gebiet des andern hineintreten, und das Gesetz verbietet ihnen, „massig gewul" zu sein. Die Anekdote, welche erzählt, daß ein „Schnorrer" (Bettler) seinem Eidam als Mitgift die Provinz Brandenburg vermachte, ist in echt jüdischein Geiste erfunden; denn auch die Schnorrer sollen einander nicht „massig gewul" sein, und sie theilen die Länder und Provinzen unter sich, wie die Könige und Herren der Erde. Und wenn dies nicht einmal die Schnorrer thun, die doch nur ein vagabundirendes Gesindel sind, wie viel weniger dürfen es die Dorfgeher. Auch essen diese die ganze Woche hindurch oft gar nichts Warmes, sie leben von Brot und Käse oder mitgenommenen kalten Fleischspeisen und trinken dazu ihr Glas Bier, denn Wein ist „Nessech" (verboten). Sie plagen sich, leben kärglich, fast kümmerlich die ganze Woche und hoffen Ersatz für die ausgestandenen Mühsale am Sabbat, den sie zu Hause in der „Khille" (Gemeinde) zubringen. Am Sonntag Morgen gehen sie aus und am Freitag Abend kehren sie heim, um den Schabbes bei Weib und Kind, wie es Gott will haben, zu verleben. Die Bemitteltern in der Gemeinde machen sich's freilich bequemer. Sie fahren auf Wochenmärkte oder gar nach Brünn und verrichten mit weniger Beschwerde und leichterm Herzen ihre Ge-, schäfte. Sie essen im Traiteurhaus und brauchen keinen Pack zu tragen, sie gehen anständiger gekleidet, weil man doch mit „Menschen" zusammenkommt, die darauf sehen, wie einer aussicht; doch sind sie schon nicht von so scrupulöser Gewissenhaftigkeit, wenn sie dem andern einen „Aussteiger" thun. Höchstens beschwichtigen sie ihr Gewissen damit, am Schabbes in Schul das begangene Unrecht mit 18 Kreuzern in die „Zdokeh" (Armenkasse) abzubüßen; denn auch sie kommen, wenn sie nicht besonders dringende Geschäfte abhalten, wie dies zum Beispiel bei Löb Frank öfter sich zu ereignen pflegt,

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