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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-11-01 · Heft 2 (November 1865) · p. Seite 160

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 2 (November 1865)
Date
1865-11-01
Page
Seite 160 (sequence 80)
Language
German
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160 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. es die Menschheit in ihre Atome. Aufgabe des Christenthums war es, die Liebe an die Stelle des Rechts als Herrscherin in die menschliche Gesellschaft einzuführen, die Atome der Menschheit von neuem zu einer innigen Gemeinschaft zu verbinden, den Menschen in der Gesammtheit aufgehen zu lassen. In dieser Gestalt tritt das Christenthum dem staatlichen Gesetz allerdings entgegen, aber in derselben Weise wie der freie Wille dem Zwang. Das Princip des Christenthums ist noch nicht zur Geltung gelangt; aber es verliert dadurch ebenso wenig an Erhabenheit und Werth, als die indogriechischen Ideen durch die Thatsache, daß sie den Verfall der Gesellschaft nicht aufzuhalten vermocht haben. „Drittens ist, vom Standpunkt des Japhetismus, der Monotheismus überhaupt nicht zu übersehen gewesen. Der Monotheismus wird hier eigentlich auf eine Laune der Juden zurückgeführt, auf ihre Neigung zur Ausschließlichkeit, zur Absonderung, auf den Glauben an ihre Sendung als Auserwählte Gottes. Dieser launisch gewählte Standpunkt der Juden ist nach Michelet äußerst einseitig; er hat sie verhindert, jemals sich zu einer philosophischen Auffassung Gottes emporzuschwingen. Zugegeben, daß auf die Israeliten als Volk jene naive Selbstkritik des Landpredigers anzuwenden ist: «Die Meinung, die man von seiner eigenen Klugheit hegt, richtet sich meistens nach dem Umgang, und da sich der meinige größtenteils auf meine Familie beschränkte, so hatte ich keinen unvortheilhasten Begriff von meiner Weltklugheit." Das war eine Selbsttäuschung. Ueberschätzten auch die Juden im ganzen ihren socialen Werth — ihrer Gottesidee wird doch niemals mit Erfolg der Ruhm bestritten werden können, als bewegendes Element, als tiefwirkende Kraft in die Geschichte der Menschheit eingegriffen zu haben. Man verabsäumt dies nur auf Kosten der Gerechtigkeit. So in der Bibel der Menschheit, und dies beweist, daß man sich in gewissen französischen Kreisen von der pantheistischen Strömung des Japhetismus allzu weit hat fortreißen lassen, um noch unbefangen den Blick auf das Ufer werfen zu können, das bisher festen Grund und Boden gewährte. Im ganzen: wir hatten eine Geschichte von dem Triumph des menschlichen Geistes erwartet und fanden die Verherrlichung einer einzigen Idee; wir hatten uns auf ein Epos der Menschheit gefreut und fanden ein zwar bochpoetisches, geistreiches, zuweilen hinreißendes Gedicht, aber doch nur — ein Gelegenheitsgedicht auf den Japhetismus. C. Radenhause's „Die Bibel Wider den Glauben " ist vom wiener Landgericht als der Beleidigung einer vom Staat anerkannten Religion (der mosaischen) schuldig verboten worden. Diesem von uns im I. Band, 5. Heft erwähnten Machwerk ist damit allerdings zu viel Ehre widerfahren. Der Seminardirector I. Arvai in Saros- Patok (Ungarn) erwähnt in der Vorrede zu einem von ihm herausgegebenen Pädagogischen Werke, welches von der evangelischen Union den ersten Preis erhielt, des Hrn. I. I. Nosenmehers als Mitarbeiters an demselben mit besonderer Freundlichkeit. Die „Wiener Kirchenzeitung" bespricht jüngst die Broschüre „Die Verjudung des christlichen Staats", die auch wir im vorigen Heft würdigten, und findet die Bemerkung des Verfassers, daß die Juden im Mittelalter von seiten der Christen Druck und Verfolgung zu leiden hatten, unbegründet. Ihrer Meinung nach waren es die Juden, die dadurch, daß sie ihre Neligions Vorschriften beobachteten, den Christen Aergerniß gaben! Also, müßte es .nach der Kirchenzeitungslogik heißen: nicht der Räuber, der den Reisenden auf der Straße anhält, macht sich eines Verbrechens schuldig, sondern der Reisende ist zu hängen, weil er dieses Weges ziehend dem Wegelagerer zum Raub Gelegenheit bot! Hätten sich die Juden sammt und sonders getauft, oder wären sie von vornherein Christen gewesen, so hätte das Mittelalter keine Judenkrawalle gehabt! Die „Wiener Kirchenzeitung" wird schon nachgerade albern. Theater. Die „Blätter für literarische Unterhaltung" schreiben: „Am Chätelet wird die große «Sündflut» in fünf Acten und sechs Tableaux gespielt. Diese «Sündslut" ist von den Herren Clairville und Siraudin in Scene gesetzt. Unsere Zeit ist zu ungeduldig, axr68 nou8 cke1u§6 gilt nicht mehr. Die Costüms sollen sehr archäologisch correct sein, das Ballet ist sehr kunstvoll mit der Sündslut verwebt. Einmal wird es von babylonischen Priesterinnen bajaderenhaft getanzt. Von dem zweiten Ballet sagt ein französischer Kritiker: «Es scheint, als wenn die Marquise von Pompadour Sem, Ham und Japhet einen Ball gäbe.»" Berichtigung. Bd. 2, Heft 1, Seite 79, Spalte 1, Zeile 8 von unten, statt: sehen werden, lies: werden sehen. Für die Redaction verantwortlich: Arnold Hilberg in Wien. Arnold Hilberg's Verlag in Wien. — Xylographie und Druck von F. A. Vrockhaus in Leipzig.

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