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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 80

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 80 (sequence 85)
Language
German
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80 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Fall ist. Da ich aber -um östern wahrgenommen habe, daß das Regenwasser, obwol der Grund etwas vertieft ist, nicht als Lache stehen bleibe, sondern sofort gänzlich versinke, tauchten immer mehr Zweifel bei mir auf, ob hier blos eine Felsspalte oder ähnliches vorliege, und ich kam auf die Vermuthung, daß unterhalb eine bedeutendere Höhlung sein müsse. Bei genauerer Untersuchung stellte es sich dann auch sicher heraus, daß das, was man für lebendigen Felsen gehalten, nur von Menschen hingeworfene große Steine seien. Dieselben sind im Durchschnittt 10 Fuß lang, 5—6 F. breit und 5 F. dick (sodaß also ein Mann einen solchen Stein nicht tragen kann), nicht behauen, sondern ganz roh, aus einer Schicht ausgebrochen. Da „die hohe Wasserquelle in Gihon" (2 Chron. 32, 30), welche der König Hiskia zudeckte, um sie hinunter von abendwärts zur Stadt David's zu leiten (s. a. a. O.), von den angesehensten Jerusalems- Topographen, wie E. Robinson, E. G. Schultz, T. Tobler, im Westen der Stadt, in der Gegend des sogenannten Mamilla-Teiches, also ungefähr an der von mir bezeichnten Stelle gesucht wird, fand ich mich veranlaßt, zu weitern Forschungen anzuregen. Nach manchen vergeblichen Bemühungen gelang es mir, den englischen Jngenieurkapitän Wilson ins Interesse zu ziehen. Derselbe, mit mannichfaltigen Untersuchungen inner- und außerhalb Jerusalems beschäftigt, übertrug mir die Leitung des Grabgeschäfts, indem er mir eine für den Anfang entsprechende Summe zu diesem Behuf zur Verfügung stellte. Ich ließ zuerst nun oben die großen Steine durchbrechen, um ein Loch zum Hineinkriechen zu gewinnen. Als wir hineinkriechen konnten, fanden wir aber nicht etwa, wie ich vermuthet hatte, alsbald die Oeffnung einer großen und tiefen Höhle, sondern nichts als Steine in der Größe eines Mannskopfes. Nachdem wir den Eingang erweitert und viele jener (Steine herausgeschafft hatten, trafen wir den lebendigen Felsen; wir bemerkten in demselben eine ovale, 7 F. im Durchmesser haltende, nicht eingehauene Grube, welche immer tiefer wurde, je mehr man Steine herausschaffte, und welche sich dann kanalähnlich gegen die Stadt zu unter dem Felsen hin verlängerte. Wochenlang wurde das Grab- und Ausleerungsgeschäft fortgesetzt, bis die gereichten Mittel erschöpft waren. Bei seinem Abschied gestattete mir Hr. Kapitän Wilson in freundlicher Weise, um von seiten der türkischen Behörde keinen Schwierigkeiten zu begegnen, in seinem Namen, da nur er die Erlaubnis zum Nachgraben hatte, mit der Arbeit fortzufahren, wenn ich die weiter nöthigen Geldmittel dazu finden könnte. Ich veranstaltete daher zu diesem Zweck in Jerusalem eine Sammlung, und es wurde so ermöglicht einige weitere Wochen graben zu lassen. Ein stetiger Zuschauer bei unfern Arbeiten war ein Kawaß (Amtsdiener) des Paschas; er sollte, wenn sie Schätze fänden, dieselben für den Sultan in Empfang nehmen. Da, je weiter wir hinunterkamen, die Brunnenhöhle immer breiter wurde, ging das Ausleeren immer langsamer von statten, und das ersammelte Geld ging zu Ende. Die Kosten des Ausgrabens haben sich bisjetzt auf 2222 Piaster belaufen; fast zwei Drittel dieser Summe haben hiesige Deutsche beigesteuert. Wäre es nun nicht jammerschade, wenn wegen Geldmangels die angefangene und schon ziemlich weit geförderte Arbeit auf immer eingestellt bleiben mühte? Denn jetzt schon kann mit Bestimmtheit erklärt werden, daß es sich hier nicht etwa blos um eine verschüttete Cisterne, oder um irgendein Magazin, oder um eine Zufluchtsstätte, welche zugedeckt worden wären, oder um eine verborgene Grabstätte handele, sondern daß hier nur ein Brunnen sein könne, ähnlich dem Brunnen Rogel, dem Hiobsbrunnen. Wir haben eine Tiefe von 70 F. erreicht; der Rogelbrunnen ist 122 F. tief. An verschiedenen Stellen fand man tröpfelndes Wasser oder mit Tropfstein überzogene Wände. Nirgends war menschliche Arbeit, wie etwa Meihelhiebe, wahrzunehmen, wol aber ist sichtbar, daß nicht blos von oben durch Menschen Steine hineingeworfen, sondern daß auch unten alle Löcher und Nischen durch Menschenhand sorgfältig ausgefüllt worden sind. Weiter nach unten zu zeigte sich zwischen den Steinen etwas Schlamm oder nasse rothe Erde, welche blos durch das Regenwasser als Niederschlag im Lauf der Jahrhunderte hereingekommen sein kann. Schutterde fand sich nirgends vor, von Scherben wurden nur wenige, ganz erweichte Stücke zu Tag gefördert. Ich füge noch bei, daß die Bewohner Jerusalems haufenweise herausgekommen sind, um unfern Arbeiten zuzusehen, und daß alle die frohe Nachricht zu hören wünschten: «Wir haben Wasser gefunden» (vgl. 1 Mos. 26, 32), sowie daß sickungefähr achtzig Schritt nördlich von unserer Stelle eine Ruine befindet, welche die Araber Mechkeme, d. h. Gerichtsstätte, nennen. Gerichtsplätze waren aber in den alten Zeiten der Israeliten gern die Brunnen und an den Thoren." Für die Redaction verantwortlich: Arnold Hilberg in Wien. Arnold Hilberg's Verlag in Wien. — Xylographie und Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.

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