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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-10-01 · Heft 1 (Oktober 1865) · p. Seite 8

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 1 (Oktober 1865)
Date
1865-10-01
Page
Seite 8 (sequence 13)
Language
German
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8 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. was Gott zuschickt. Es hat jeder seine Gottesplag'. Von dieser Stunde au hatte Felix unter den Mitschülern den Beinamen „Gottesplag." Es war unter ihnen überhaupt üblich, jedem Mitschüler nebst dem ihm zukommenden Namen noch irgendeinen Namen beizulegen; mancher bekam gar mehrere; diese Namen wurden in der Regel von hervorstechenden Eigenschaften, für welche die Mitschüler untereinander ein vortreffliches Auge besaßen, hergeleitet. So hieß Felix, bevor er den neuen Namen „Gottesplag'"erhielt, auch „Feiwel Meschugener", während sein Freund Kumpel der „Schläfer" genannt wurde, manchmal auch der „todte Gumpel", oder auch der „Gimpel" schlechtweg. II. Das Glöcklein. Felix lind Gumpel hatten jetzt goldene Tage; sie schlürften die Freiheit mit vollen Zügen ein. Bei aller Verschiedenheit des Temperaments und svnstigcr Charaktereigenthümlichkeiten, darin stimmten sie beide überein, daß es weit herrlicher sei, auf lachendeil Wiesen und in schattigen Wäldern herumzustreifen, als bei so großer Hitze in der engen Schulstube zu schwitzen. Gumpel mußte den Genuß, welchen die mit Felix getriebenen NarrenSpossen ihm gewährten, freilich am Donnerstag Nachmittag hart büßen; da er die ganze Woche hindurch nichts gelernt hatte, so konnte er am Ende der Woche auch nichts wissen, und der Lehrer, den cS ohnehin verdroß, daß Felix all ihn so gekettet war, ließ seine früher erwähnten Drohungen nicht unerfüllt. Aber Gumpel war gegen die Schläge des Lehrers unempfindlich, ebenso wie gegen den Spott seiner Mitschüler, der sich bei solcher Gelegenheit in hämischer Weise zu entladen pflegte. Gumpel hatte nicht den mindesten Ehrgeiz lind machte keinen Anspruch darauf, für eineil guten Schüler zu gelten; die Hiebe des Lehrers nahm er jede Woche am Donnerstag als etwas, das sich von selbst versteht, in Empfang, als eine Art Wochenportion, die niemals allsbleiben darf; ja, er hätte dem Lehrer auf Verlangen über den richtigen Empfang bereitwillig eilte Quittung ausgestellt. So viel höher stand ihm die Lust des Müssiggangs, daß er diesen wöchentlichen Tribut an die Nemesis nicht im geringsten beachtete. Schlag' dn nur immer, dachte! er bei sich, soviel dll willst, und lacht ihr andern meinetwegen bis ihr zerspringt; hockt ihr nur immer da, und schwitzt, ich weiß mir unterdeß ivas Besseres. Wenn er Lernbegierde gehabt hätte, so würde er das, was seine Mitschüler im Cheder lernten, leicht und spielend von Felix erfahren und erlernt haben; denn Felix' Gedächtniß war von der Art, daß er mit Recht jene bekannte Frage hätte aufwerfen können: Was braucht „Jigdal" im „Siderl" zu stehen!*) ich kann es doch auswendig. Allein Gumpel ivar von solchen Schmerzeil frei; die Schnurren, in deren Erfindung Felix wahrhaft unerschöpflich war, sagten ihm weit mehr zu. Der innere Gegensatz der beiden Knaben prägte sich auch in ihrer Äußern Erscheinung aus. Felix war ein schlanker, hochaufgeschossener Knabe, eilte Eigenthümlichkeit, die ihm bei seinen Mitschülern auch den Namen „der magere Hund" eingetragen, während Gumpel, ein kleines untersetztes Kerlchen, seiner Körperbeschaffenheit den Beinamen „Gumpel - Chaser" (Schwein) zu danken hatte. Felix hatte eine lebhafte Physiognomie, ein sprechendes Auge und dunkelbraunes, gekräuseltes Haupthaar. Das Gesicht Gumpel's war nicht vielsagend, das Auge, ins Blaue spielend, verrieth Gutmüthigkeit; seine Haare waren von jenem weißlichen Blond welches mehr bei Slawen als Germanen, äußerst setteil bei den Abkömmlingen des Orients gefunden wird, und Hillgen schlicht als sogenannte Lichtspieße herunter. Dein entsprechend war auch die Kleidung beider Knaben ziemlich verschieden. Felix trug eine lichte Hose, nur voll einem Gurt in die Höhe gehalten, Brust und Hals ziemlich frei, ohne Weste und Halstuch, den kurzeil Nock ebenfalls von lichter *) Ein bekanntes Gebet im Gebetbuch.

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