Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 466 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2417805-2417806-2417812--480-2418321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
466 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthuins. segne, 2':? von wenden, weil man mit dem Gesichte sich wendet, wenn man irgendwo Hinsehen will. L. Die Feuer-Opfer. Wenn der Mensch das Theuerste, was er besitzt, dem Geheimnißvollen darbringt, so verlangt er auch ein Zeichen, daß seine Gabe gnädige An- und Aufnahme und seine Bitte Erhörung und Gewährung gefunden. Als ein solches Zeichen kam den: Alterthum das Feuer entgegen. Das im Feuer zum Himmel aufgegangene Opfer schien erst das vollkommenste und den opfernden Menschen ein Zeichen, daß es wirklich zum Himmel aufgegangen und von den Göttern angenommen sei. Auch die Israeliten sollten Feueropfer darbringen als Zeichen der Wechselwirkung zwischen Gott und seinem Volk; Israel nähert sich Gott und Gott läßt sich finden. Besonders erhaben zeigte sich der Gedanke, ,, daß sie sein Volk und er ihr Gott sei", wenn ein Feuer vom Himmel kam und das Opfer verzehrte. *) Ein kriegerisch gesinntes, nach starken Eindrücken begehrendes Volk wird immer auch das Feueropser dein einfachen Tischopfer vorziehen. Die Opfer der Römer hießen geradezu liostig.6 von Iiostis, Feind, oder vietinme von vietuw, besiegt, und das hebräische erinnert an 21? Schlacht. In der That beginnt das Z B. Mose mit den Feueropfern: „Wenn jemand von euch wird ein Korban bringen" u. s. w. Sowie bei allen Völkern des Alterthums sollte auch ein Altar bestehen, aber nicht als Herd, um das Feueropfer zum Genuß zu bereiten, sondern mn eine Vermittelungsstätte zu haben für die geistige Wechselwirkung des Menschen und Gottes. Gehen wir an die weitere Ausbildung dieser zwei Arten von Hauptopfern. 1) Die Stoffe der Genußopfer. Als Hauptstoffe galten in Israel seit alten Zeiten theils die Getreidetheils die Schlachtopfer, ganz wie Brod und Fleisch beim menschlichen Mahl, wäh- *> 3 Mose 9, 24. 1 Kön. 18, 22-38. 1 Chr. 21, 26. 2 Chr. 7, 1. rend bei den anderen Völkern alle Gattungen von Opfern an der Tagesordnung waren. Bestimmte Götter verlangten bestimmte Thiere, deren Tod ihnen irgendwie angenehm zu sein schien, obgleich deren Genuß nicht üblich war. Der Demeter wurden vorzugsweise Schweine, dem Dionysos Böcke, die Esel dem Apollo, die Hunde der Hekate geopfert. Dagegen kommen Wildpret und Fische unter den Opferthieren der Heiden selten vor, nur die Hirsche der Artemis als Jägerin, nicht sowol zur Speise als um der Lust der Zerstörung willen. Die Heilige Schrift, welche das Thieropfer benutzen wollte, um die geistige Wechselwirkung zwischen dem Israeliten und Gott zu befördern, gestattete nur solche Thiere, welche geeignet sind, sich mit dem Menschen zu identificiren. Unreine Thiere, Wildpret, Fische und Wasserthiere wurden ausgeschlossen. Unreine Thiere stehen dem Israeliten durch ihre Ungenießbarkeit, Wildpret durch die Wildheit, die Wasserthiere durch ihr kaltes Blut und den niedrigsten Grad von Seelenkräften fern; so galten nur Thiere vom Rind-, Schaf- und Ziegengeschlecht als opferbar; zahme Hausvögel vom Taubengeschlecht wurden nur für gewisse Opfer niederer Art, oder wenn Aermere ein vorgeschriebenes Opfer sonst nicht darbringen konnten, zugelassen. Daß das Thier dem Opfernden selbst gehören mußte, versteht sich von selbst. Rabbi Simon ben Jochai sagte einst eine Parabel: Ein König fuhr vor einer Mauth; da befahl er seinem Diener, das Mauthgeld zu zahlen. Der Diener wunderte sich darob: Gehört .nicht der ganze Ertrag dir? Laß nur, sprach der König, ich muß ein Beispiel gegen Defraudation geben. So sprach Gott: ich hasse das Entwendete, obgleich mir alles gehört, um ein gutes Beispiel zu geben.*) Das Opferthier mußte ganz kräftig und fehlerlos sein. Es lag dies im ganzen Alterthum im Begriff des Opfers selbst. Da das Opferthier aber eine-Jdentification mit dem Menschen bilden und eine Vermittelung mit Gott repräsenti- *) Suca, 30.