Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 6 (September 1865)
- Date
- 1865-09-01
- Page
- Seite 458 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2417805-2417806-2417812--472-2418313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
458 Jllustr. Monatsh. für die ges. Und was mit jenem Knochen wird geschehen. Darüber könnt ihr ruhig auseinandergehen; Der frei gefund'ne Schädel wird Vom löblichen Senat schon inquirirt. (Es wird noch einmal getrommelt und das Volk zerstreut sich.) Der bidlNhe OMultns, seine Bedeutung und seine Normen. Von I)r. M. Duschak. I. Das Wesen der Gottesverehrung ist der Ausdruck des frommen Gefühls und soll wieder zurück aus das Gefühl wirken. Der Mensch, sobald er ein überirdisches himmlisches Wesen ahnt, sinkt vor dem göttlichen Wesen nieder, lobt und verehrt Gott. Der Sterbliche erhält von einer unsichtbaren gütigen Hand die Bedürfnisse des Lebens, oder er wird aus einer Gefahr errettet, ihn bewegt die Güte des Allgütigen,, er dankt, er verehrt Gott. Oder der Erdensohn ist in Noth und sehnt sich nach Hülse, er erkennt seine Abhängigkeit von einem höhern Wesen, er fleht, er verehrt Gott; oder der Mensch wird gefoltert vom Sünd- und Schuldgefühl, er fühlt sein Gewissen belastet, daß er den übermenschlichen Wohlthäter erzürnte, er bereut, er verehrt Gott. Nicht einen jeden Erdbewohner erhebt aber eine und dieselbe Gottesvcrehrung, denn mannichfach sind die Begriffe über Gott, Glaube und Tugend. Die Art und Weise der Gottesverehrung richtet sich nach den Begriffen der Menscheil, nach dem Erdstrich, den sie bewohnen, nach der Ausbildung ihrer Vernunft oder nach dem Vorherrschen ihrer Einbildungskraft. Auch der Standpunkt, welchen ein jedes Zeitalter in der Menschengefchichte durchlebt, äußert seinen Einfluß auf die Gestalt der Gottesverehrung, und das eine Menschengeschlecht wird durch den Gedanken noch begeistert und erhoben, durch welchen ein nächstfolgendes nicht mehr zur Andacht gestimmt werden kann. Es ist ein das sämmtliche Alterthum kennzeichnender und charakterisirender Zug, daß die Menschen ihre Gottesverehrung mehr durch die That als durch Interessen des Judenthums. das Wort beurkundeten, daß sie ihre frommen Gefühle der Abhängigkeit durch Hingabe eines Theils ihres Besitzthums, durch Opfer an den Tag legten. Die erste Spur einer Gottesverehrung findeil wir bei Abel und Kain. Sowie das Kind seinem Liebling gern das gibt, was ihm das Theuerste, Kostbarste ist, so opferten beide Männer, geleitet vom Gefühl der Dankbarkeit, von dein, was iil ihren Augen den größten Werth hatte. Adam's und Noah's Nachkommen zerstreuten sich in den Ländern der Erde, sie wuchsen zu Völkern heran, und die reine Gotteserkenntniß der Urväter artete aus zum Götzendienst. Der Glaube an einen einzigen geistigen Gott erhielt sich nur in einer einzigen Familie, sie ist die Abraham's. Dieser Vater aller Gläubigen hätte dein liebevollen Schöpfer geril seinen Sohn geopfert, wenn er ihn gefordert haben würde. Die Gotteserkenntniß der Stammväter war rein und klar, lieblich und sanft war ihre Gottesverehrung; nur Oel goß der fromme Jakob auf die Spitze seines Denkmals. Aber diese klare Gotteserkenntniß, diese sanfte Gottesverehrung wurde in Aegypten verunstaltet und getrübt. In diesem Lande sah der Israelit, wie der gebildete Aeghpter vor einein Thier oder vor einem Wahngebild sklavisch niederkniete und die Gunst des Götzen mit einem Opfer erkaufen wollte. Die Israeliten lernten in Aegypten Thieropfer kennen, und auch sie glaubten, den Allvater müsse man durch Opfer verehreil. Die Gottesverehrung, welche doch nur für den Menschen, nicht für Gott da ist, wurde aber von dem göttlichen Wesen durch Moses so ailgeordnet, daß sie auf die damals lebenden Israeliten wohlthätig wirkeil konnte; der gütige Gott verordnete ihnen Opfer, weil sie opfern wollten. Die Opfer ein für allemal abzuschaffen, war im natürlichen Wege unausführbar, so sehr waren die Opfer als Thatzeichen der Gottesfurcht in Fleisch und Blut übergegangen*); im *) Sowenig Moses die Israeliten vom Essen und Trinken hätte abgewöhnen können, so wenig konnte er sie vom Opfer entwöhnen, sagt Maim. More 3, 32.