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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-09-01 · Heft 6 (September 1865) · p. Seite 436

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 6 (September 1865)
Date
1865-09-01
Page
Seite 436 (sequence 12)
Language
German
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436 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. d i e s e l b e I d e e von verschiedenen Künstlern einer ganz verschiedenen Behänd-' lung fähig sei, weil jeder diese Idee durch eine andere Form lebendig machen, d. h. weil jeder sie durch ganz andere Details veranschaulichen wird. Und dies zugegeben ist es wieder nur eine natürliche Consequenz, daß auch ein und derselbe Künstler zu verschiedenen Zeiten dieselbe Idee in verschiedener Form vorführen kann, vorausgesetzt, daß er hierzu die Begabung hat, d. h. mit andern Worten: vorausgesetzt, daß ihm eine solche Menge von Details zu Gebote steht, um die Idee jedesmal in neuen Erscheinungen vorzuführen. Aus alledem folgt aber nun gewiß, daß, diese Begabung eben vorausgesetzt, von Monotonie hierbei überall gar keine Rede sein kann. Der Vorwurf der Monotonie in Kompert's Productionen hätte nur dann einen Sinn, wenn man ihm die Begabung in Abrede stellen könnte, ein so oft gewähltes Thema nicht in neuen Details zu bringen; aber wer die einzelnen Erzählungen auch hintereinander liest, muß zugeben, daß eben in den Details Kompert's Stärke liegt, und daß jedesmal neue Erscheinungen auftreten, wenn es auch immer und immer um dasselbe — nämlich um das sociale Verhältniß der Bewohner aus der Gasse zu den Bewohnern außer der Gasse, die religiösen Conflicte u. s. w. sich handelt. Monoton müssen diese Erzählungen also nicht sein, weil sie alle aus der Gasse sind. Es müssen nicht die „Geschichten einer Gasse" nur Wiederholungen früherer Erzählungen sein, weil die „Böhmischen Juden" auch denselben Schauplatz haben. Sie müssen es nicht sein, d. h. es ist dies hier blos theoretisch auseinandergesetzt, sie könnten es aber gar wohl sein, wenn Kompert weniger begabt wäre. Daß sie es in Wahrheit nicht sind, das ist eben nur der Individualität des Dichters zuzuschreiben. Man denke an die Darstellung der Kämpfe in der Ilias. Wo wäre Monotonie leichter erzeugt als da! aber gerade darin zeigt sich die Unerschöpflichkeit und nie versiegende Kraft Homer's. Hiermit bliebe aber noch immer die Frage offen, warum Kompert ein Genre ' gewählt, das nicht jedermann zugänglich sei. Hierbei wird uns die bisherige Entwickelung M)on wesentlich führen. Man denke nur ein wenig wieder auf das Bild vom Thurm zurück. In einem Wassertropfen spiegelt sich die ganze Welt, ja mehr, er enthält eine solche, aber nur der feine Beobachter weiß sie darin zu finden; stehst du aber auf dem Thurm, so reicht ein Nebel hin, dir alle Gegenstände so zu entrücken, daß du gar nichts siehst. Und hiervon gehen wir wieder aus. Alle Menschen lassen sich in zwei Klassen bringen: Menschen, die etwas sind (innerlich, versteht sich), und Menschen, die nichts sind. Dies bezieht sich auf das Gemüth, welches die erste Voraussetzung eines echten Künstlers ist. Jeder schafft nach empfangenen Eindrücken der Außenwelt, und insofern ist eigentlich jeder Producirende vorerst nur reproducirend, aber mit Unterschied; dieser Unterschied liegt darin, in welcher Weise die Außenwelt sich in dem Subject spiegelt, wie sie von dem Gemüth eines jeden in sich ausgenommen und verarbeitet wird, und wie sie sich dann nach dem Durchgang durch das Gemüth wieder als Außenwelt zeigt. Es ist wie ein chemischer Proceß. Je tiefer das künstlerische Gemüth ist, desto mehr wird die Außenwelt in demselben von den Schlacken gereinigt, und desto verklärter und schöner geht sie aus demselben hervor. Denke man sich z. B. einen Egoisten, der ein Kunstwerk schaffen soll. Die ganze Welt existirt für ihn und hat für ihn nur insofern Interesse, als sie sich auf ihn bezieht; das ist nun gewiß eine kleine Anschauung, und diese Anschauung legt er in sein Werk hinein, wenn seine geistige Anlage klein ist; ist diese aber groß, hat er einen großen Verstand bei mangelnder Gemüthstiefe, so wird er die Weltanschauung anderer, die er aber nicht aus sich heraus producirt, durch Lektüre sich eigen zu machen und diese äußerlich nachzuahmen suchen. So entsteht eine künstlerische Lüge; hier ist nichts producirt, sondern es ist gemacht — ein oft gebrauchtes, aber selten richtig verstandenes Wort. Es gehört von seiten

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