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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 396

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 396 (sequence 52)
Language
German
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396 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Literatur. NerrnZlomn. Für das deutsche Volk bearbeitet von David Friedrich Strauß. Besprochen von vr. M. Dnschak. (Schluß.) Der Verfasser sehe aber nur Mal. 2, 10; Sachar. 14, 9; 8, 20—22; 14, 16; Jes. 41, 4; 56, 7; 55, 5; 66, 18. 23; 42, 5. 6; 60, 3. Der Verfasser erinnere sich nur an das „liebe deinen Nebenmenschen wie dich selbst". „Was du nicht willst, das dir geschehe, thue auch einem andern nicht", lehrte Hillel der Prophet. „Beurtheile jedermann zu seinen Gunsten, verurtheile niemand, .bevor du an seine Stelle gekommen", schärfen die Grundsätze der Väter ein (Perke Ab. 1, 6. 2, 4). Man muß gestehen, der Herr Verfasser hat mit scharfem Blick das eigenthümliche religiöse Bewußtsein Jesu belauscht und die Grundlage seiner religiösen Anschauung erkannt, die stets auf das Innere, auf Lostrennung der Religion einerseits vom Politischen, andererseits vom Ceremoniellen gerichtet war. Daß er zum Frieden mit Gott und mit sich selbst auf rein geistigem Wege gelangen zu können meinte, diese essenische Anschauung kam bei Jesu zum Durchbruch; aber der Kern seiner Lehre, die Dogmatik und die Moral, die er lehrte, gehörten und gehören dem Judenthum an, und wo er darüber hinausging, wurde er überschwenglich und unpraktisch. Ebenso wahr als trefflich ist auch die Darstellung von Jesu Verhältniß zur Messiasidee. Während Renan mit schöngeistiger Oberflächlichkeit die verschiedenen Attribute „Davidssohn, Menschensohn" u. s. w. behandelt, unterwirft sie Strauß einer historisch-kritischen Prüfung. Es ist auch richtig: „Was andere nur als Bedingung des Eintritts der messianischen Rettung faßten, die Erhebung des Volks zu echter Frömmigkeit, betrachtete er als die Hauptsache"; aber diese Betrachtung war ihm wieder nicht eigenthümlich, sie war eben die pharisäische, in der ganzen talmudischen Literatur herrschende; auch in der Mischna wird die Gottlosigkeit als die Ursache des Verlustes der nationalen Selbständigkeit angegeben und für die Herbeiführung der Erlösung die Frömmigkeit zur Bedingung gemacht.*) Sehr wahr und treffend ist die Betrachtung über den lehrenden und leidenden Messias. Der Knecht Jehovah's im zweiten, spätem Theile des Jesaias, der ursprünglich auf das israelitische Volk ging, wurde damals auf den persönlichen Messias bezogen,, und der Leser weiß, daß diese Auffassung in neuerer Zeit eine Strafverhandlung herbeiführte. — Die folgenden Kapitel besprechen die messianische Wiederkunft, auf die man nach achtzehn Jahrhunderten vergebens in der Christenwelt wartet, ungeachtet sie der Stifter der christlichen Religion mit Hinblick auf die Daniel'sche Weissagung' zusagte; die Widersprüche, welche sich betreffs des Schauplatzes und der Dauer der öffentlichen Thätigkeit Jesu bei den Synoptikern und dem vierten Evangelium ergeben; endlich die Lehrart Jesu. Wir können dem gelehrten Verfasser die Versicherung geben, daß die Lehrart Jesu bei aller Vortrefflichkeit, die ihr vindicirt wird, ein echt judenthümliches Gepräge, eine echt rabbinische Form hat. Die Apokryphen, die Lehrart der damaligen Rabbiner, insbesondere die des Hillel, sind die Belege dafür. Es muß daher befremden, daß es Seite 253 heißt: „Er war kein Sophist, d. h. ins Jüdische übersetzt, er war kein Rabbine." Der gelehrte Verfasser spricht dann von den Wundern, deren Theorie dem Leser bekannt ist, von denJüngernJesu, deren zwölf nicht, aber deren siebzig zweifelhaft sind; er gibt . *) Siehe z. B> Ende Sota.

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