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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 386

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 386 (sequence 42)
Language
German
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386 Jllustr. Monatsh.'für die ges. ellenbogen in Venedig). Die Schlange soll Eva die Versicherung gegeben haben, daß, wenn sie von der verbotenen Frucht äße, sie Welten erschaffen könne (Beschneidungspredigt). Ferner inacht er Gebrauch von der kabbalistischen Gematria, dem Weibe vindicirt er die Süßigkeit des Honigs, weil nw-r an Zahlenwerth — «21 ist. Eine eigene Predigt (Pesachpredigt) widmet er dem weltgeschichtlichen Beruf Israels. Er betrachtet das Judcnthum und seine Schicksale für die wunderbare Anstalt Gottes zur Beseligung und Erhebung des menschlichen Geschlechts auf Erdeu; der Auszug und die wunderbare Erlösung aus Aegypten waren das Mittel und der Grundstein dazu. Aber, fragt er, waren nicht die Gesetzgebung auf Horeb, sodann die Besiegung der überlegenen Völker und die Einnahme des Gelobten Landes wichtigere Momente, um diese erhabene Mission mit ihren beseligeirden Wirkungen vorzubereiten und zu realisiren, waren dies nicht wunderbarere Missionsanstalten zur Begründung und Verbreitung der Erkenntniß Gottes, und der Heiligung seines Namens? Allerdings, sagt er, aber cs setzen diese Umstände uns nicht irr Erstaunen, dem: was Gott verheißen, mußte in Erfüllung gehen, die Saat, die der himmlische Vater ausgestreut, mußte zur Reife gelangen; hatte sie Gott aus Aegypten geführt, um ihnen die Thora und das Heilige Land zu geben, mußte er auch sein Wort halten und ausführen; daß aber Gott eine Horde roher, halbwilder, dem Höhern beinahe unempfänglicher Lehmtreter in Aegypten sich erwählte, sie auf wunderbare Weise befreite, um an ihnen die Gottesverheißung in Erfüllung gehen zu lassen, daß einst alle Erschaffenen zum Herrn bekehrt werden, das war und ist der Wunder größtes Wunder. Leon erklärt dies durch folgendes Gleichniß. Ein König gab einst einem niedrigen Mädchen aus dem Volke seine Hand und sein Herz: darob erstaunte die ganze Welt. Nun umgab der König seine Auserwählte mit einein glänzenden Hofstaate, kleidete sie in seidene Gewän¬ Interessen des Judenthums. der, setzte ihr das Diadem auf das Haupt, ließ sie in glänzenden Staatswagen fahren: doch darüber wunderte sich niemand mehr; die Königin selbst feierte alljährlich den Tag, an dem sic der König wählte, aber nicht jene Tage, an welchen sie der König als Königin behandelte. Eigenthümlich, ja sonderbar ist die Bedeutung, die Leon da Modena mancher Festesbenennung gibt. Sabbat Nachamu ist ihm ein Sabbat, der uns zur Reue auffordert, naostoin — bereuen; Chanuka ist uns ein Fest, das der Hoffnung auf die einstige Erlösung die Weihe gibt; Matan Fora heißt der Tag, der uns verpflichtet, die Thora fortzupflanzen, zu vererben und weiterzugeben. Den Predigten Midbar Jehuda schickt der Verfasser eine nicht im reinen hebräischen Stil geschriebene Vorrede voraus, in welcher er darüber klagt, daß er unter ungünstigen, niederschlagenden Verhältnissen sein Leben friste, daß ihm diese Welt ein Jammerthal sei. Er habe aber seinen Blick auf das Jenseits gerichtet und nach Unvergänglichkeit gerungen, zu welcher jedoch nicht die leiblichen, sondern die Kinder des Geistes verhelfen können, denn jene gerathen ja nicht immer. Auf dem Gebiet der Agada, sagt er, wird viel Charlatanerie und Blendwerk getrieben; man pfropft die Agada auf die Philosophie des Aristoteles, preßt den Text und treibt damit ein ominöses Spiel; er habe sich stets von dieser tadelnswerthen Manie und Manier fern gehalten. Leon da Modena trug seine Predigten in einemBet-Hamidrasch zu Venedig vor. Ein gewisser Kaloninus Belgrad hatte es in seinen: eigenen Hause errichtet, ii: welchem an einem jeden Sabbat und an jedem Winterabend religiöse Vorträge gehalten wurden, und welches von Leon da Modena eingeweiht worden. Dort wurde Leon als Redner angestellt, und die Früchte seiner homiletischen Thätigkeit sind eben die in: Midbar JLhuda gedruckten Predigten, welchen Namen er ihnen aus Bescheidenheit gab, weil miäbar Wüste heißt und übrigens auch an clabar, reden anklingt. Die Predigten widmete er dem angesehensten und vornehmsten Manne zu

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