Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 5 (August 1865)
- Date
- 1865-08-01
- Page
- Seite 375 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2417805-2417806-2417811--388-2418228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
JehudaArje daModena alsGegner des Mhsticismus und alsPrediger. 375 lotta Giuditta die Jahreszahl 1805 und für Giuletta 1808. Jbre Vaterstadt ist Mailand. Die ausgezeichnete Vorbildung, die sie von ihrer damals gefeierten Tante Grassini erhielten, brachte ihr glänzendes Talent bald zur schönsten Entfaltung. Das Conservatorium in Mailand setzte ihre Ausbildung fort. Dieser gemeinschaftliche Unterricht, der dem gleichartigen Talent, dem gleichgearteten Charakter der beiden Schwestern entgegenkam, verlieh ihrem Zusammenspiel jenen eigenthümlichen Reiz, jenen hinreißenden Zauber, der zuerst dem Namen der beiden Schwestern den nachmaligen glänzenden Ruhm gewann. Die Opern „Robert der Teufel", „Norma" u. a. boten den besten Rahmen für dieses Bild schwesterlicher Harmonie. Der Tod der ältern Schwester, der 1839 in Rom sie in ihrem vierunddreißigsten Lebensjahre abberief, zerstörte es. ^Jhre Glanzrolle war die „Norma", . die sie das stolze Wort: „bl nun Norm:« i soln, all in 8«>n >>ue^tn" zEs gibt nur Eine Norma, und die bin ich » sprechen! ließ, als 1847 London dem Auftreten der Jenny Lind in dieser Rolle entgegensah. In ihrem Privatleben lächelte ibr nicht jenes Glück seliger Selbstbefriedigung wie ihrer Schwester; sie lebte nicht der Kunst allein. Jni April 1830 reichte sie dem reichen Franzosen Gcrard de Melev ihre Hand, um schon wenige Wochen später die Scheidungsklage einzureichen, der Folge zu geben jedoch der Widerstand ihres Gatten hinderte. Im Jahre 1842 kam jedoch eine Scheidung von Tisch und Bett zu Stande. Den Rest ihrer Tage verlebte sie in stiller Zurückgezogenheit ans dem ihr von ihrem Gatten überwiesenen Gute zwischen Versailles und St.-Clond. Aber auch jede einzelne der Schwestern erfreute sich der nngetheiltesten Bewunderung der kunstverständigen Welt. Carlotta Giuditta begründete ihren Ruhm durch ihr erstes Auftreten in Rossini's „Bianca und Falliero" in Wien 1826. In den nächsten Jahren sang sie-ans fast allen größer« Bühnen Italiens, namentlich in Venedig, Florenz und Neapel. In ihrer Vaterstadt und auf einer Kunstreise durch Deutschland pflückte sie neue Lorbern, und so, eine europäische Berühmtheit geworden, blieb sie dauernd der wiener Oper, von der sich ihr Ruf zuerst verbreitete, von 1829 ab treu. Von 1833 ab gab sie häufig Feriengastrollen in Paris, London und Deutschland. So glänzend ihr Talent auch war, so wurde sie doch von ihrer jünger,: Schwester Giuletta, an die sich eigentlich der kunstgeschichtliche Ruf des Namens Grisi knüpft, überrags. Das Einnehmendere ihrer äußern Erscheinung allein sicherte, ihr auf der Bühne eine:: gewissen Vorrang, um so mehr, da auch ihre technischen Gesangsmittel, ihre Kehlfertigkeit, eine größere Tiefe der Sopranstimme, bedeutendere Bühnengewandtheit sie unterstützten. ItIM Arje dii Wodenu ick GtyM des NZÄM5NW und DredlM. Bon b>r. M. Duschair. Jehuda Arje da Modena, auch Leon da Modena genannt, erblickte in Venedig am 23. April 1571, am 28. Tage des Monats Nisan, das Licht der Welt. Sein Vater hieß Isaak und war der Sohn eines Arztes aus Modena; die andern Glieder dieser hervorragenden Familie, welche ans Modena stammte, hatten sich in Ferrara niedergelassen, unter welchen ein gewisser Äbtalion, ein Onkel unsers Leon, besonders durch Geist, Wissen und Charakter hervorragte. Isaak, der Vater unsers.Jehuda, war sehr vermoglich und sparte nichts, wo es die Erziehung und Bildung seines geliebten talentirten Kindes galt; kein Preis war ihm zu hoch, keine Auslage zu schwer. Bei dem jüdischen Volke war überhaupt stets Wissenschaft Macht, nicht, wie ihm seine Feinde vorwarfen, das Geld; dieses, wonach er allerdings ohne Rast, weil es ihm als einziges Lebenselement angewiesen ward, strebte und