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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-08-01 · Heft 5 (August 1865) · p. Seite 373

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 5 (August 1865)
Date
1865-08-01
Page
Seite 373 (sequence 29)
Language
German
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Die Schwestern Grisi. 373 Die Zeit strenger Vorurtheile und vor-' nehmer Erelusivitüt ist vorüber! Der Stund weicht dem Menschen. Auf dem Gebiet der Diplomatie, auf den Ziffertabellen der Finnin,en sowie auf dem Schlachtfeld kann der Jude ebenso erfolgreich wirken, als ob sein Ahn Kreuzfahrer gewesen wäre, und es wäre ein Verbrechen an unserer nationalen Sache, solche Kräfte auszuschließen. Ist ein Verrath begangen, so ist er unbestreitbar strafwürdig/doch darf man deshalb nicht die Gesammtheit für das Individuum strafen. Auch unsere Kaste hat Verräther gezeugt, das ist aber noch kein Grund, die Bravour und die Opferwilligkeit des ganzen Standes zu negiren. Dausende thun ihre Pflicht und gehen unter ans ihrem Posten; einzelne verlassen treulos ihre Fahire, wir dürfen aber darum nicht eine Armee auflösen, weil wir Deserteure zählen!" „Solange ich Einfluß behalte", fällt der Graf heftig ein, „werde ich nie zugxben, daß Juden die Geschichte Polens machen helfeit und wieder einen Ftlß in die Verwaltung des Landes setzen; dessen seien Sie versichert, Baron!" „Ich habe ans meinen Kreuz- und Querzügen durch Polen, durch das Krakauische und Galizien die Inden dieser Länder kennen und schätzen gelernt. Es heißt nicht, dies Volk kennen, wenn Sie es nach Ihrem Mäkler oder Hausirer beurtheilen, den Sie in schlechter Laune über die Stiege hinunterwerfen lassen und ihn doch Wiedersehen, weil ihn die Noth auf Sie weist und er Ihre Impertinenzen anhören und Ihren Fußtritt erdulden muß, um den Seilten eilt Stück Brot heimzubringen. Sehen Sie sich die Juden in ihrem häuslichen Leben an, in ihrem Gotteshause, in ihrer Gemeinde; da finden Sie ein Volk, einig, obschott zerstückelt, und durch diese Einigkeit stark; da finden Sie eine Reinheit der Sitten, eine Unermüdlichkeit in der Arbeit, eine Pietät für das Vergangene und ein Gottvertrauen für die Zukunft, die wir bewundern müssen! Während unsere Bauern ihre Sonn- und Feiertage in den Schenken verleben und die Ersparnisse der Woche in Schnaps versaufen, bringt der niedrigste Jude seine Ruhetage im stillen Kreise seiner Familie zu, in reinlich gescheuerter Stube, an weißgelinnter Dasel, unter Unterricht, Erzählung und Gebet; theilt er sein Brod mit seinem Weibe lind seinen Kindern; spart er vvnt hart erworbenen Verdienst anä> eilte Gabe für seine Gemeinde und Schulgeld für seine Kinder ab." „Lieber Baron", sagt Graf Kronowski mit verhaltenem Zorn, „ich habe die Herren nicht versammelt, um uns ein Kapitel über die Emancipation der Juden vorlesen zu lassen, sondern nur, um über einen Verräther zu Gericht zlt sitzen: Ich habe aus den Tod angetragen, wollen die Herren abstimmen." Es wird abgestimmt. Baron Marinski gibt sein Votum, secundirt von Fräulein Boljowska, gegen die beantragte Todesstrafe ab, während die Mehrzahl mit dem Grafen Kronowski stimmt. Karl Goldheim ist zum Tode vernrtheilt! lSchlich solgt.- I r a u e n b i l' d e r. Ke ScIMtern GM. Biographische Contouren voll Ä. Lerg. ES gibt Familien, in denen sich das Talent mit dem Blute verbunden zu haben scheint; es erbt sich fort von Glied zlt Glied wie ein unveräußerliches Familiengut. Die Gabe des Gesanges namentlich ist häufig ein solches Erbtalent jüdischer Familien, ein Erbtalent, das freilich erst zur Anerkennung gelangt, wenn es die Weihe der Kunst erhalten. Solcke Lieblinge der Töne sind z. B. die Familien Snlzer, Czilläg, Offenbach, Heinefetter, solche waren die beiden verschwägerten Familien Grassini und Grisi.

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