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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 287

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 287 (sequence 23)
Language
German
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Ludwig August Frankl. 287 eine Sternschnuppe, die vom Himmel fällt, diese Zeit, in der sich jeder einzelne für die Gesammtheit zu wirken verpflichtet fühlt oder durch die Gewalt der Umstände dazu verpflichtet wird! Wir können hier die Unzähligen nicht nennen, die bei Rahel Trost, Hoffnung, Anregung und die freundschaftlichste Theilnahme fanden. Der stets scherzende Fürst de Ligne, Heine, die beiden Schlegel, Tieck, Humboldt, der graziöse Pückler-Muskali, der phantastische Marwitz, die Bettina, Goethe, HansGenelli, die Stael, Henriette Mendelssohn und noch viele andere, reich an Schönheit, Wissen, Begeisterung und an Genie, sie sind dahin wie die Rahel, mit der sie sich freuten, mit der sie getrauert!... Die Blumen auf ihren Gräbern welken und blühen und welken wieder, die Worte auf ihren Lippen sind verstummt, aber die Gedanken, die sie dachten, leuchten in die Zeit und in die Ewigkeit hinein, und so mancher davon verdankt die nun nie erlöschende Erinnerung an ihn seinem Umgang mit der Rahel, denn als mail Rahel Antonie Friederike Varnhagen von Ense ain 7. März 1833 zu Grabe trug, brachte ihr Gatte ein Todtenopfer, und dieses Todtenopfer hieß: „Rahel, ein Buch des Andenkens für ihre Freunde." Darin finden sich ihre schönsten Aussprüche, ewig leuchtende Perlen des Gefühls, Humors und eines Geistes, der alles umfaßte, was des Erfassens würdig war, und so schließen wir denn mit den Worten, die sich Rahel zur Grabschrift gewünscht und die den hohen Werth der Verklärten am besten ahnen lassen: „Gute Menschen, wenn etwas Gutes für die Menschheit geschieht, dann gedenkt freundlich in Euerer Freude auch meiner!" Alfred Teniers. AnM Mlllil. „Wenn Böhmen mir durch Geburt zum Mutter lande geworden ist, so nenne ich doch durch die Bildung, die mir der'tiefernste deutsche Geist gewährte, seine Heimat mein Vaterland." Wir führen diese Worte des geistvollen Poeten, dem diese Skizze gewidmet ist, deshalb an, weil sie am besten den Standpunkt der Vermittelung bezeichnen, den Ludwig August Frankl in der Literatur einnimmt, ein Standpunkt, der, so nahe er lag, unser» Wissens noch von keinem der zahlreichen Biographen und Kritiker dieses Schriftstellers erkannt und gewürdigt wurde. Ludwig August Frankl, in dem kleinen bölMischen Städtchen Chrast am 3. Februar 1810 geboren, entwickelte scholl früh seine Fähigkeiten lind lernte mit großer Leichtigkeit Deutsch, Böhmisch, Lateül und später auch Französisch. Da sein Vater Leopold in gesicherten pecuniären Verhältnissen lebte und seine Mutter Therese, geborene Herrmann, eine iil^geistiger Beziehung hochbedeutende Aarr war, so wurde, den damaligen Bildungsverhältnissen entsprechend, alles Mögliche allgewendet, um die Erziehung der aus vier Knaben lind einem Mädchen bestehenden Familie zu einer trefflichen zu gestalten. Doch schon das Jahr 1825 raubte den noch unmündigen .Ändern den Vater lind Ernährer und stürzte die Witwe in die von ihr bis nun nicht gekannten Kümpfe und Sorgen des Lebens, denn sie blieb mittellos. Ihr Gottvertrauen, ihr Fleiß und ihre zärtliche Mutterliebe erfüllten sie aber mit beinahe männlicher Kraft, und wie Gold aus dein Schmelztiegel ging sie aus dieser schweren Prüfung geläuterter, leuchtender hervor, und die Noth, diese zwingende Göttin, stählte den Charakter der Kinder und machte im Lauf der Zeiten die Knaben zu tüchtigen Männern, das Mädchen zur trefflichen Hausfrau. Frankl, der indeß die Schulen seiner Vaterstadt, die von Leitmeritz und die des erinnerungsreichen, alterthümlichen

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