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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 286

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 286 (sequence 22)
Language
German
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286 Jllustr. Monatsh. für die ges. verkündete geistiges Uebergewicht, die schnellen lind doch festen, dunkeln Blicke ließen zweifeln, ob sie mehr gäben oder aufnähmen, ein leidender Ausdruck lieh den klaren Gesichtszügen eine sanfte Anmuth. Sic bewegte sich in dunkler Kleidung, fast schattenartig, aber frei und sicher, und ihre Begrüßung war so bequem als gütig. Was mich aber am überraschendsten traf, war die klangvolle, weiche, aus der innersten Seele herauftönende Ltimme und das wunderbarste Sprechen, das mir noch vorgekommen war. In leichten, anspruchsloseil Aenßcrungen der eigenthümlichsten Geistesart und Laune verbanden sich Naivetät lind Witz, Schärfe und Lieblichkeit, und allem war zugleich eine tiefe Wahrheit, wie von Eisen, eingegossen ..." Die Liebe, „die an Größe, Erhebung und Unglück wol alles von den Dichtern Besungene übertraf", war wol die Leidenschaft, die Rahel für den ritterlichen, schönen und geistvolleil Prinzen Louis Ferdinand von Preußen empfand, für diese Natur voll Trotz und Anmuth, die es innig und dankbar empfand, „daß Rahel eine für Herz und Vernunft befriedigendere Rolle gespielt als diejenigen, deren Leidenschaften blos im Spiel waren". Vertrauensvoll rief er ihr daher zu: „Rachen Sie zum Guten, predigen Sie Mäßigung, und Sie werden allen wohlchun!" Ach! Rahel's Liebestranm ward zunichte , als Louis Ferdinand am 10. October 1806 den Heldentod im Gefecht bei Saalfeld fand, und Rahel wandte sich dem von ihr hoch verehrten Narnhagen zu, dem sie, nachdem zuvor ihr Uebertritt zum Christenthum erfolgte, am 27. September 1814 als Gattin angetraut ward, lind dem sie neunzehn Jahre hindurch in Leid und Freud' getreu zur Sette stand. Bildete sie doch in ihrer überströmendcn Begeisterung für alles Schöne, Gute und Wahre den ergänzenden Gegensatz zu der künstlerisch vollendet gebildeten, aber kühlen geistigeil Natur ihres Gatteil, eines Mannes, der mir dann Spuren tiefen Gefühls verriechwenn es ihm vergönnt ward, von seiner „Friede- Interessen des Judenthums. rike" zu sprechen, von diesem „gewonnenen Schatz, der ihm fortan gewiß blieb ". Es war eine sonderbare, eine an Schrecken und an Freuden reiche Zeit, in der Rahel lebte. Des ersten Napoleon Genie und Macht hingeil glühenden Wolken gleich über nach Freiheit und Erlösung schmachtenden Ländern, und später kamen die Tage des vermeintlichen Heils, die Tage von Waterloo und Leipzig, und noch später kamen die Tage der Enttäuschung, die Tage, in denen inan alles geistige Leben in Deutschland niederwerfen wollte, die Tage, da die Fürsten vergaßen, daß sie eben dieser geistigen Erhebung zumeist ihre Rettung dankten, diesen „Reden Fichte's an das deutsche Volk", diesen Liedern voll Arndt, Körner und Schenkendorf, diesen Aufrufen von Stein, Gentz und Hardenberg und dim geräuschlosern, aber mächtigen Wirken edler deutscher Frauen, darunter wir vor allein die Rahel nennen müssen, die Rahel, die inmitten der Greuel des Kriegs, einer Priesterin gleich, das heilige Feuer der Wahrheit und Schönheit im Lebeil entzündete und bewahrte lküd an dein Wahlspruch festhielt ihr Leben lang: „Nur Gutes will ich glauben, und immer helfen." Und diese Hülfe erstreckte sich bei Rahel nicht blos auf Worte oder auf Gaben, die man durch andere reichen läßt und sich so selbst um die edelste Freude des Lebens bringt. Die Rahel that das Gute selbst, bescheiden, gleichsam verstohlen, wie die Nachtviole duftet; nur in die Spitäler ging sie am lichten Tage, um zu helfen, zu pflegen, zu segnen! Rahel's Wesen war mild wie Sonnenschein, und so kamen denn die Männer und Frauen, um sich von ihm vergolden zu lassen, und die Ernstesten wurden heiter, wenn sie mit ihnen scherzte, und die Heitersten wurden ernst, wenn sie mit ihnen tiefsinnig, aber niemals unverständlich von.den höchsten Begriffen des Daseins sprach und also unsere, die Zeit der geschäftigen Gegenwart vorbereiten half, diese Zeit, in der das einzelne verschwindet wie

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