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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-07-01 · Heft 4 (Juli 1865) · p. Seite 284

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 4 (Juli 1865)
Date
1865-07-01
Page
Seite 284 (sequence 20)
Language
German
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284 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Monotonie noch denselben Eindruck machen wie jene schwunglosen Verse, die ihre karäischen Vorältern vor tausend Jahren verfaßten. Nur eine von diesen Poesien ist satirisch; sie ist gegen karäische Neuerer gerichtet, die sich über das Verbot, am Sabbat Licht zu brennen, hinwegsetzen und so den Namen Lichtfreunde führen, in diesem streng frommen Kreise aber keine Sympathien besitzen. Mittlerweile ist unser Wirth gekommen, um uns wieder abzuholen, und wir plaudern vor dessen Wohnung noch bis zum späten Abend über alles, was uns an den Karäern interessirt, über alle jene Einzelheiten in Sitten und Gebräuchen, welche uns aus der Lektüre der Bücher Mosis bekannt sind, jene peinlichen Reinheits- und Speisegesetze, die das Karäerthum bibelgläubig conservirt hat und die uns jetzt, wo wir sie in unmittelbarer Nähe beobachtet sehen, durch die Wirklichkeit ihrer Existenz überraschen. Mit einer Art von Wehmuth, wie sie vor den ehrwürdigeil Resten eines einst schönen Gebäudes den Wanderer ergreift, schütteln wir beim Abschied unserm Wirth die Hand, und fort gehen unsere Saumthiere, von landkundigen Tataren geführt, über Felsen und Abgründe dem volkreichern Baktschisarai zu, das einst den Glanz der Tataren-Khans gesehen und dessen indüstrielle Betriebsamkeit gegen die Ruhe der Karäerstadt lebhaft absticht. Während wir einziehen, tritt der Mond hervor. Sein Silber umgibt schimmernd die noch jetzt majestätischen Mauern des alten Palastes der Tatarenfürsteil, die verfallenen Prachtgärten und geborstenen Kuppelthürme, deren versinkende Herrlichkeit uns nach jenem Besuch bei den Karäern, den Trümmern einstiger Glaubensgröße, doppelt stark an das Salomonische Wort gemahnt: „Alles hat seine Zeit." Irauenbild er. DK Ichel. Am ersten Pfiugsttage des Jahres 177l ward in Berlin ein Mädchen geboren, das man seiner Zartheit und Schwäche wegen statt in eine Wiege in eine mit Baumwolle gefütterte Schachtel legen mußte. Es war dies die Rahel Levin. Schon in ihrer frühesten Kindheit zeigte sie sich geistig hochbegabt und von einer Wahrheitsliebe, die ihre Umgebung in Staunen setzte, und mit ihrem Geiste entwickelte sich ihr Körper und ihre eigenthümliche Schönheit, die beim ersten Blick erkennen ließ, daß Rahel Levin — Jüdin sei. So reifte sie zur Jungfrau heran, als sie, durch Lektüre, Reisen und den Umgang mit bedeutenden Menschen gebildet, eine entzückende Originalität des Geistes und einen Zauber entfaltete, denen niemand widerstehen konnte, der sie sah und sprechen hörte. Unter den vielen, die ihr Lob begeistert aller Welt verkündeten, befand sich auch Varnhagen von Ense, der schon im Jahre 1803 sie also schilderte: „Hier ist nun auch eines persönlichen Erscheinens zu gedenkeil, dessen erster Eindruck mir in jener Zeit wurde. Eines Abends, da ich den zum Thee Versammelten aus Wieland einiges vorlas, wurde Besuch gemeldet, und bei dem Namen entstand sogleich die Art von Bewegung, welche sich der Erwartung von Ungewöhnlichem und Günstigem verknüpft. Es war Rahel Levin, oder Robert, denn auch den letztem Namen führte sie damals schon. Oft schon hatte ich sie nennen hören, und immer mit einem so besonder» Reiz der Bezeichnung, daß ich mir dabei nur das außerordentlichste, mit keinem andern zu vergleichende Wesen denken mußte. Was von ihr insonderheit Graf Lippe und Frau von Boye mir gesagt, deutet auf ein energisches Zusammensein von Geist und Natur in ursprünglichster, reinster Kraft und Form. Auch wenn mail einigeil Tadel gegen sie versuchte, mußte ich im Ge-

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