Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 4 (Juli 1865)
- Date
- 1865-07-01
- Page
- Seite 278 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- Basra 1× ep/1044138
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278 Jllustr. Monatsh. für die ges. fand in Dawud el Fast aus Fas während des letzten Viertels des 10. Jahrhunderts einen berühmten Vertreter, dem sich sein Landsmann und Nachfolger Ali den Suleiman (um 1100) würdig anschloß, sodaß man beide den gleichzeitigen rabbinischen Lexikographen an die Seite stellen darf. Zu den nennenswerthesten Karäern jener Epoche gehört auch der zu Basra (920) geborene Jefet, der Sproß eines um die Lehre verdienten Geschlechts und entschieden einer der vorzüglichsten Exegeten, welche das Karäerthum aufzuweisen hat. Bis in sein siebzigstes Lebensjahr der Schrifterklärung sich widmend, bekundet er eine für jene Zeit überraschende Sprachkenntniß und großes Verständniß des Althebräischen, eine Aufgabe, welche auch die durch sieben Geschlechter bis 1135 blühende Gelehrtenfamilie Hassan aus Basra erfüllte. Ebenso traten zu Alexandrien und Kertsch zahlreiche Gelehrte auf, in Jerusalem besonders Jeschua ben Jehuda, genannt Ion Asad (um 1050), eine Zierde der Wissenschaft, welcher uns berichtet, daß zu seiner Zeit die vielen karäischen Spaltungen sich im wesentlichen auf drei reducirt hatten. Manche Schüler aus entfernten Gegenden (Byzanz, Castilien, Babylonien, Griechenland) wänderten zu ihm, bis er selbst, als am 15. Juli 1099 die Juden Jerusalems durch Gottfried von Bouillon in Anan's Synagoge verbrannt wurden, entfloh, um erst nach vorübergegangener Gefahr zurückzukehren. Sein Einfluß auf Zeitgenossen und Nachfolger war ein sehr bedeutender und erstreckte sich bis Kairo, Konstantinopel, Toledo, von welch letzterer Stadt ein begeisterter Anhänger Jeschua's, Jbn el Taras, durch ganz Castilien die karäische Lehre verbreitete (1100—1126). Doch wurde durch die rabbanitisch gesinnten Oberhäupter der castilischen Juden, die hohen Günstlinge des Regenten Alfonso's VII. von Castilien, aller Einfluß aufgeboten, um jene Karäer zu verfolgen und zu vernichten. Die Geschichte berichtet von zwei derartigen Karäerverfolgungen, die durch rabbanitische Höflinge veranlaßt waren. Unterdeß hob sich auch die Phi- Interessen des JubentHums. losophie des Karäerthums durch Byzantiner, welche die arabische Schriftsprache mit aus dem Griechischen entnommenen Ausdrücken wesentlich bereicherten. Auch die Verskunst, denn Poesie wäre hier nicht der richtige Name, vervollkommnete sich und wurde in höchst eigenthümlicher Weise die Form für rein dogmatische Werke. Es war nur die Form an diesen Produkten dichterisch, und selbst sie war eckig, mangelhaft und gekünstelt; aber sie barg den Inhalt der bisherigen karäischen Forschungen und war daher von einem, wie Jost sagt, unschätzbaren literarischen Werth. Besonders gehört hierher Hadassi's „Cypressenstrauß", in welchem die gesammten Gebote des Pentateuch, alle Dogmen, Gebete und Religionsphilosopheine in zehn den Zehn Geboten entsprechenden und aus etwa 9000 Reimstrophen bestehenden Theilen niedergelegt sind. Von nun an ist der Schwerpunkt des karäischen Schriftthums nicht mehr in den Ostländern (Irak, Persien, Palästina lind Aegypten), sondern im Byzantinischen Reich (in der Türkei, der Krim, Volhynien u. s. w.) zu suchen, wohin nach den Kreuzzügen sich der Kern der Karäer wendete. Das Chrakteristische der nun folgenden Periode (1150—1375) war im allgemeinen ein Annähern der Karäer an die Rabbaniten, ein Streben nach Ausgleichung jener jahrhundertelang hervorgerufenen Widersprüche. Es kam dies daher, daß jetzt der Rabbinismus durch zwei vorzügliche Repräsentanten zu einem neuen, achtunggebietenden Glanz gelangt war, durch Jbn Esra (1089—1167), den prägnanten, scharfsinnigen Exegeten, und durch Maimuni (1135 —1204), den hochberühmten Religionsphilosophen. Der Kampf gegen die Tradition zeichnete sich nur durch gerechte Würdigung der gegnerischen Vorzüge aus, ja durch größte Ehrerbietung vor jenen bedeutenden Rabbaniten. Seine frühere Begeisterung, seine stolze Selbständigkeit büßte das Karäerthum ein; es wurde vom Rabbinismus überflügelt und verlor an vielen Orten seine bisherigen Anhänger, die theils zu den Rabbaniten über-