Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 264 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des JudenthumZ. wenn sie noch einen modischen Kopfputz aufsetzte, unmittelbar in eine Soiree zu Lady Palmerston gehen. Davon abgesehen, macht das Gemälde einen tiefen, fesselnden und bleibenden Eindruck." Die in Wien Ende März zur Versteigerung gelangte Kupferstichsammlung des Barons von Pasqualati enthielt eine größere Anzahl sehr seltener, auf das Judenthum im engern oder weitern Sinne bezüglicher Stücke. Das wichtigste derselben war „ Die Judensynagoge in Amsterdam", von Romein de Hooghe, ein äußerst seltenes, von Sammlern vielgesuchtes Folioblatt aus dem 17. Jahrhundert. Es stellt das Innere einer alten amsterdamer Synagoge portugiesischen Ritus während des Gottesdienstes dar. Die geistreiche Auffassung, unterstützt von sorgfältigster Detailausführung, macht dieses Blatt zu einem Meisterwerk der Kupferstecherkunst. Im Vordergründe der überfüllten Synagoge erblicken wir Romein de Hooghe selbst, eine Anzahl hochgestellter Personen begleitend. Wir werden unsern Lesern auch von diesem Stiche demnächst eine Copie bringen. Weiter war darunter die bereits selten gewordene Bilderbibel des Rafael da Urbino (54 Blatt) und das berühmte, äußerst selten gewordene Bild Paul Rembrandt's: „Der Triumph des Mardachäus", in des Meisters Originalradirung. Noch ist eine Reihe biblischer Tableaux P. P. Rubens' und eine Sammlung alter Flug- und Spottblätter zu erwähnen. Unter diesen heißt eines „Der Wein-Jud'", zu dessen Verständniß bereits die Data fehlen. Es stellt einen Juden auf einem Fasse sitzend, von drei chimärischen Thieren gezogen, vor. Das Monogramm läßt von Solis als den Zeichner gelten. Ein anderes heißt „Engeländischer Pickelhäring, welcher als ein vornehmer Händler und Jubilirer mit allerlei Judenspießen nach Frankfort in die Meß zeucht". Eine sehr große Anzahl der Spottbilder hat die Jesuiten zum Gegenstände der Satire. „Brustbild eines bärtigen-Israeliten", in Vaillant's Manier, heißt weiter eine Radirung, deren wir als Curiosum zum Schluffe erwähnen wollen. ÄNerthmnskuilde. In der Sitzung vom 30. März der historischstatistischen Sektion der mährisch-schlesischen Gesellschaft hielt Herr Museumscustos Trapp über manche altertümliche Kunstobjecte, die im rituellen Gebrauche verschiedener Confessionen waren, einen Vortrag. Drei Gegenstände, dem mosaischen Ritus angehörig, boten ihm zuerst den Stoff für seine sehr interessanten Mittheilungen, und waren dies 1) und 2) ein Weinbecher und ein Brotteller mit der Jahreszahl 1630, welche im vorigen Jahrhundert in Belgrad erbeutet wurden. Der Becher ist 4 Zoll hoch, kelchartig, mit Tulpen und Granatapfelbaumfrüchten bemalt, und hat am Rande eine hebräische Aufschrift. (Was für eine?) 3) Ein Widderhorn, gebogen, 20 Zoll lang, Plattgedrückt, mit Randverzierungen und einer hebräischen Aufschrift. Es stammt aus dem Jahre 1661. In London ist gegenwärtig eine Gesellschaft in der Bildung begriffen, welche die Erforschung Palästinas mit Hinsicht auf die Beförderung eines bessern Verständnisses der Bibel ins Auge gefaßt hat. Auf die Archäologie, die Eulturgeschichte, die Topographie, die Geologie, die Flora und Fauna, die Meteorologie des Heiligen Landes soll durch neue Untersuchungen ein klareres Licht geworfen werden, als es bisher geschehen ist. Oeffentliche Subscriptionen sollen die nöthigen Fonds herbeischaffen. Auf der Liste des Comite, wie es sich vorläufig constituirt hat, finden wir die bedeutenden Namen: Prof. Owen, James Fergusson, Sir Henry Rawlinson, Sir Morton Peto, Stanley, die Herzoge von Argyle und von Devonshire, Graf von Shaftesbury und verschiedene andere. Statistik. In Rußland leben gegenwärtig 1,450000 Juden, in Frankreich 88936, wovon auf den Consistorialsprengel Paris 22000, auf Straßburg 20936 und Colmar 17000 kommen. Correspondery. Ein Abonnent in Hamburg. — Ein verläßliches Porträt des Alavius Josephus existirt nicht, weshalb wir Ihren Wünschen vom 8. Juni nicht entsprechen können. Für die Redactton verantwortlich: Arnold Hilberg in Wien. Arnold Hilberg's Verlag in Wien. — Xylographie und Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.