Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1865)
- Date
- 1865-06-01
- Page
- Seite 229 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Die zehn Stämme. 229 darum, welcher Theil die größere Lebensfähigkeit in sich tragen würde. Das kleinere Reich Juda, dessen Könige alle dem Geschlechte David's angehörten, wußte sich seine innere straffere Einheit durch die Einheit des Gottesdienstes in Jerusalem wie in allen seinen religiösen Einrichtungen zu bewahren. Es konnte endlich der Uebermacht des babylonischen Herrschers nicht widerstehen, aoer seine Angehörigen nahmen in das Exil nicht blos den Vorsatz Mit, der Lehre Moses' nun treuer anzuhangen, sondern auch die von ihren Propheten gemachten Verheißungen einer bessern Zukunft, welche genügten, die Verbannten aufzurichten und um sie ein Band zu schlingen, das sie abhielt, sich unter den Völkern zu verlieren. Im Reiche Israel hingegen, gebildet von den zehn Stämmen, die sich unter Jerobeam vom Hause David's losgerissen hatten, waren die Könige nicht aus einem und demselben Hause; die meisten derselben hatten sich durch Gewalt und Verrath auf den Thron geschwungen und konnten schon dadurch für die Sittlichkeit ihrer Unterthanen nur ein schlechtes Vorbild abgeben. Nicht besser war es mit den religiösen Zuständen bestellt. Die Politik mußte den Cultus zu Jerusalem Widerrathen, und man führte statt desselben den Kälberdienst ein. Infolge dessen wunderten die Priester und Leviten nach Judäa aris, und nur selten gelang es den meist arg verfolgten Propheten, das verführte Volk auf kurze Zeit zum Glauben seiner Väter zurückzuführen. So waren die Bedingungen zum Verderben gegeben, und hinweggerissen von ihrem Boden, verschwinden die zehn Stämme bald völlig aus dem Gesichtskreise der Geschichte. Da aber die großen Propheten Jesaia, Jeremia, Ezechiel, Zacharia eine endliche Rückkehr wie der andern so auch der aus dem Zehnstämmereiche gewaltsam Fortgeführten geweissagt hatten, doch nirgends ein Bericht über die schon eingetroffene Erfüllung dieser Weissagungen aufgefunden wird, so bildeten sich schon in alter Zeit allerhand Vermuthungen über das Bestehen und den Aufenthalt dieser Stämme, welche nach und nach immer vermehrt und zum Theil bis ins Ungeheuerliche gesteigert wurden. Gelehrte und Reisende aller Nationen suchten die zehn Stämme in der ganzen Welt herum, und wo sie bei irgendeinem fernen Volke eine gewisse Aehnlichkeit mit jüdischen Sitten oder Gesichtszügen zu entdecken vermeinten, da wollten sie Abkömmlinge der zehn Stämme gefunden haben. Zumal die in allen Theilen des Erdballs unter der Zuchtruthe seufzenden Juden umspielte das Vorhandensein der zehn Stämme in selbständigen Reichen wie ein süßer Traum und weckte in sehnsuchtsvollen Gemüthern den Wunsch, diese Reiche aufzusuchen. So wenig Licht wir nun auch aus allen vorhandenen, sich widersprechenden Berichten gewinnen, so muß uns Israeliten doch jede, auch nur annähernde Kenntnis; in dieser Beziehung Werth und theuer sein, und ich will es darum versuchen, einige der in Büchern und Zeitschriften zerstreut niedergelegten Ansichten über diesen Gegenstand mitzutheilen. Im 2 Kön. 15,29 lesen wir, Thiglath- Pilesser, König von Assyrien, habe die Bewohner des nordöstlichen Palästina und die Stämme jenseit des Jordan nach Assyrien geführt; weiter heißt es 17, 6 und 18, 1l, Salmanassar habe den Bewohnern des übrigen Reichs Israel Sitze gegeben „in Chalach und Chabor, an dem Strome Gosan und in den Städten von Madai". Der Chronist berichtet I, 5, 26, Rüben, Gad und Halbmanasse seien gefangen abgeführt worden nach Chalach, Chabor, Hara und dem Strome Gosan. Im Talmud erklärt nun R. Abba bar Kahna: 2^177 ir -11277 -,17777 -7 77777 17 --'e —p>::. 17 z7-.i -777 ,77-771-12777 -7:777: 17 77-7 —-:xi 77-71-12771 Emendiren wir nun mit Rapaport für zi7777 zur- und fassen wir 77777 identisch mit dem im 1 Mos. 10,11 in Ver bindung mit andern assyrischen Städten genannten 777:, so erkennt man darin leicht Kalachane, das heutige Holwan, auf dem Grenzgebiete der alten assyrischen und medischen Reiche gelegen, und es erklärt sich ganz wohl, wie eben hierher die assyrischen Könige ihre Co-