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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-05-01 · Heft 2 (Mai 1865) · p. Seite 176

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 2 (Mai 1865)
Date
1865-05-01
Page
Seite 176 (sequence 72)
Language
German
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176 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Streites und um Erlösung, vielleicht in jener Zeit versaßt, in welcher die unter persischer Herrschaft stehenden Juden von den Samaritanern und den benachbarten Völkern beunruhigt wurden. Nr. 8. Ein nachdrückliches Gebet um die Hülse Gottes in Krankheiten. Es ist dabei zu bemerke», daß die Anrufung ärztlicher Hülfe schon frühzeitig tadelnswertst gefunden wurde (2. Ehrvnik 10, 12). Dieser Scrupel gegen menschliche Hülfe in Krankheiten behauptete sich lange; eS wird die Uebung der Heilkunde keinem Tanaiten zugcschriebcu; um so mehr waren Gebete der Schriftgelehrten für Kranke an der Tagesordnung, und die Essäer, welche sich mit Arzncikunde beschäftigten, wurden in die Hölle verwünscht (Kiduschin 02, 1). Dieses Gebet beginnt mit einem modificirtcn Vers des Propheten Jermia, und nahmen die später» Gesetzeslehrer an dieser Modifikation Anstand, obgleich diese Licenz bei den Amoräern nichts Seltenes war. (S. B. B. 117, 1. B. K. 55, 1. Aboda S. 4, 1. Sabbat 128, 1. Erubin 2, 1. Megila 0, 1. ^ebachim litt, 1. Sabbat 55, 1. Sota 10, 1. Taanit 29, 1. B. B. 123, 1. Schebuot 35, 1. M. K. 5, 1.) Ar. 9. Ein Gebet nm ein fruchtbares Jahr. Ein gewisser R. Alcxandri (Mcg. 17, 1) meint, cs sei wegen der Kornwuchcrcr und gegen dieselben eingeführt worden. In dieses Gebet wurde daun das Gebet um Thau und Regen eingeschaltet, und wie scholl bemerkt, disferiren hierin die Deutschen von den Spaniern, da bei diesen im Sommer nur für Thau, im Winter aber nur für Ziegen, bei jenen aber im Sommer für keines von beiden und im Winter für beide gebetet wird. Man beginnt mit dem in Rede stehenden Gebet am 3. oder am 4. Dccember, was Äschert abnorm findet, da man früher, zur Zeit des Wintcrbaues, schon dessen bcnöthigt. Allerdings begann man, nach dem Berichte des R. Chanina (Taanit 0, 1) erst sechzig Tage nach dem Aequinoctium; allein da man in Palästina schon im September um Regen flehte, weil inan dessen schon im September bedürftig war, so sollten wir, die wir ja in derselben Lage sind, uns nach Palästina und nicht nach Babylon richten, weil bei uns andere klimatische Verhältnisse obwalten als in Babylon. Wenn uns auch Babylon für das religionsgesetzliche Leben maßgebend ist, so sollteil doch solche Umstände da eine Ausnahme gestatten, wo ein obwaltendes Bedürfnis) die Wurzel des Rituals ist. Mail». Mischna-Commentar eonstatirt auch, daß man wol in Palästina am siebenten Tage des Monats Cheschwan mit dem Gebet um Regen begann, daß dies aber außerhalb Palästinas »ach den jeweiligen Bedürfnissen zu geschehen habe. Von diesen gerechten Anforderungen nimmt die Halacha keine Rvtiz. Rr. 10. Ein Gebet um die Restauration der Theokratie. Während der ganzen Zeit des zweiten Tempels lebten die Juden in Abhängigkeit von fremde» Mächten, es konnte also dieses Gebet von der frühesten Zeit des zweiten Tempels datireil. Aber mich lucker dem Scepter der letzten Makkabäer fühlte man sich nicht glücklich und hatte man Anlaß, die alleinige Herrschaft Gottes und die Institution der Richter und Rathgcber wieder herbeizuwünschen. Warum man in den zehn Bußtagen dieses Gebet mit -zT:- schließt, ist ein Räthsel, das noch der Lösung harrt. Rr. 11. Ein Stoßgebet gegen die Verleumder, Uebelthäter und Frevler. Dieses Gebet hat seine eigene Geschichte. Während der ganzeil Zeit des zweiten Tempels hatteil die Inden von Ucbelthätern, Verleumdern und Anklägern zu leiden; bald störten politische, bald religiöse Parteiführer ihre Ruhe und Harmlosigkeit; Griechlinge, Samaritaner, Sadducäer und Römerliuge nagten fressend an dem Bande der Einheit lilld Einigkeit; es war demnach dieses Gebet während der ganzen zweiten Tempelperiode ein Bedürfnis; für das angstvolle Gcinüth. Mit der Zerstörung des Tempels nahmen die politischen Parteien ein Ende, nur die religiöse Scktirerci streckte die Waffen nicht; aber der Kampf war nunmehr nur noch ein innerer, hatte keinen Einfluß mehr auf das politische Leben der Juden. Dieser Umstand war es auch.

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