Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1865)
- Date
- 1865-05-01
- Page
- Seite 147 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Libanon und leine Cedern. 147 II. Von hier ersteigen wir die Höhe des Libanon und besuchen die in der Heiligen Schrift so oft und so hoch gepriesenen, als Bild der Herrlichkeit lind des Stolzes häufig gebrauchten Cedern. David nennt sie „Bäume, die der Herr gepflanzt" (Ps. 104). „Der Gerechte, der Palme gleich blüht er, wie die Ceder auf dem Libanon schießt er empor." Als Bild der Stolzen gebraucht sie Jesaias, wenn er (K. 2, 12. 14) spricht: „Ein Dag des Herrn der Heerscharen ergeht über alles Stolze und Hohe und über alles Ragende, und es sinkt, und über alle Cedern des Libanon, die hohen und ragenden." In kräftigen Zügen schildert Ezechiel unter dem Bilde der Ceder die Herrlichkeit des assyrischen Reichen: „Siehe, Aschur ist eine Ceder auf Libanon, schön von Zweigen, mit schattendem Laub und hoch von Wuchs, lind zwischen dichtbelaubten Aeften war sein Wipfel. Das Wasser machte ihn groß, die Diese ihn hoch; ihre Ströme stoßen ringe um ihre Pflanzung, und ihre Kanäle entsandte sie zu allen Bäumen des Feldes. In seinen Aeften nisteten alle Vögel des Himmels; alle Dhiere des Feldes hegten Junge unter seinen Zweigen, und in seinem Schatten saßen alle großen Völker (Ez. 41, 4 — 0). Wir erreichen den berühmtesten Ueberrest des Cedernwaldes, der ehedem den ganzen Libanon bedeckt haben mag, wenn wir uns nach dem wegen seiner Lage unvergleichlichen Dorfe Bscherrah wendeil, von welchem jener denkwürdige Hain, Dschebl-el-Ars genannt, etwa eine halbe Stunde entfernt liegt. Da stehen die Reste jener gewaltigen Vegetation, die ehrwürdigen Zeugen mehrerer Jahrtausende, ungefähr 6000 Fuß über dem Meere. Das ganze Wäldchen hat jetzt nur noch einige hundert Schritt im Umfange, und der Rest seiner Bäume ist so zählbar, „daß ein Knabe sie anschriebe". Ihre Gesammtzahl beträgt gegen 400, voll denen viele nur kleine Schößlinge sind, aus deren Mitte aber 9 urälteste Cedern, deren größte etwa 90 Fuß hoch und 40 Fuß dick, hervor- Lreten, gleichsam als „die grünen ewigen Säulen, auf denen das blaue Himmelsgewölbe zu ruhen scheint". Die Ceder ist eine von den zahlreichen Arten des Fichtengeschlechtes. Die kuppelsörmige Krone wird von weit ausgebreiteten, fächerartigen Aeften und hängenden Zweigen gebildet. Die Radeln sind etwa zollang, immergrün, spitzig. Die Zapfen sind länglichrund, roth, mit abgerundeten, diebtstebenden Schuppen. Das Harz, welches aus der Rinde und den Zapfen trieft, ist von stärkendem, balsamischem Oieruch. DasHolz ist gelb, mit rötblichen Streifen und dient zum Räuchern und zur Am fertigung von Kästchen, in denen man kostbare Gegenstände aufzubewabren pflegt. Tie Araber jeder Sekte hegen eme tiefe Verebrung vor diesem Baume: sie legen ihm nickü nur ein fortdauerndes Wachsthum, sondern auch eine lebendige Seele bei, die sick durch gewisse Zeichen des Wissens und der Voraussicht kundgebe. Sie meinen, die Cedern kennen im voraus die eintretende Witterung, sie bewegen ihre weit ausgebreiteten Aeste gleich Gliedern, erheben ihre Zweige gegen den Himmel oder neigen sie zur Erde, je nachdem der Schnee fallen oder schmelzen soll. Es sind, sagt der Morgenländer, göttliche Wesen unter der Baumgestalt. Der erhabene Eindruck, den der Anblick des Cedernwaldes auf jeden Besucher desselben macht, ist schon von vielen Reisenden geschildert worden. „Ein sonderbar eigenthümliches Gefühl, das ich einen heiligen Schauer nennen möchte", sagt der sonst so nüchterne Russegger, „bemächtigte sich meiner, als ich beim Lichte des Mondes und des ganz heiter gewordenen Sternenhimmels in das Dunkel der Cedern eintrat. Da standen sie vwr mir, die alten, heiligen Bäume, die Jahrtausende an sich vorüberziehen, die von ihrem erhabenen Standpunkte aus Völker glänzen und verschwinden sahen, die schon lebten, als Baalbeks und Palmyras Pracht monumente sich erhoben, und die noch leben und grünen, da der Araber seine schmuzige Hütte an die edle korinthische Säule klebt." Der bekannte Dichter L. A. Frankl sagt in seinem interes-